
Vulkan, Fass, Zahl
Fass & Klima
Wie alt ist Flor de Caña wirklich, und was sagt die Zahl auf dem Etikett? Zuerst zum Fass. Nach Angaben des Hauses reift der Rum in gebrauchten amerikanischen Bourbonfässern aus Weißeiche, die vor der Befüllung neu ausgebrannt werden. Verschlossen werden sie mit Blättern der Kochbanane, der Plantain.
Rund 320.000 Fässer lagern nach Hausangabe dauerhaft auf dem Gelände am Fuß des San Cristóbal. Die Lagerhäuser stehen im Tiefland bei tropischer Wärme und Feuchte. Der Rum reift dort unter natürlichen Klimabedingungen, ohne künstliche Kühlung.
Wärme beschleunigt, was im Fass geschieht. Das Holz gibt Vanille, Karamell und Gerbstoffe ab, und ein Teil des Rums verdunstet durch die Dauben, in den Tropen mit etwa 7 bis 10 Prozent im Jahr. Dafür reift ein Rum schneller als im kühlen Schottland, auch wenn die Faustregel „ein Jahr gleich drei Jahre“ nicht mehr als eine Faustregel ist.
Jetzt zur Zahl. In der EU darf ein Rum nur mit einem Alter beworben werden, wenn die Angabe sich auf den jüngsten Anteil der Mischung bezieht und die Reifung unter staatlicher Steuerkontrolle stattfand. In anderen Ländern gelten andere Maßstäbe, mancherorts darf auch ein Durchschnitt oder der älteste Anteil genannt werden.
Bei Flor de Caña führte das zu Streit. Früher standen auf den Flaschen Zahlen mit dem Zusatz „Slow Aged“, die Käufer nicht eindeutig als Alter lesen konnten. 2021 wurde in den USA eine Sammelklage eingereicht, die diese Etiketten als irreführend beanstandete. Neuere Flaschen tragen laut Fachpresse die Angabe „years old“ hinter der Zahl.