
Essenz statt Fass
Rumstil
Aus dem alten Habsburgerreich stammen drei Spirituosen mit Rumgeschmack, die oft verwechselt werden: Inländerrum aus Österreich, Tuzemák aus Tschechien und Domači rum aus Slowenien. Sie klingen verwandt, folgen aber verschiedenen Rechtsregeln. Der österreichische Weg ist heute eng an Zuckerrohr gebunden.
Inländerrum besteht seit 1999 nur noch aus Rum-Alkohol, dazu kommt Inländerrum-Essenz aus Rumdestillat. Er hat mindestens 38 Prozent, üblich sind 38 bis 60, in der Spitze 80. Weil er aromatisiert wird, heißt er rechtlich nicht Rum, sondern ist eine geschützte Spirituose. Sein Ton ist mild, süßlich und vanillig.
Tuzemák aus Tschechien trug bis zum 31. Dezember 2002 den Namen Tuzemský rum. Seit 1. Januar 2003 darf er wegen des EU-Rechts nicht mehr Rum heißen. Er entsteht aus Kartoffel- oder Rübenalkohol mit Rumessenz. Die bekannteste Marke ist Božkov, ein Rum im Wortsinn ist er nie gewesen.
Der Domači rum aus Slowenien ist eine geschützte Spirituose aus Melasse- oder Saftdestillat, zu dem Rumaromen und Farbe kommen. Er hat mindestens 37,5 Prozent und riecht nach Punsch mit Vanille. Verwendet wird er vor allem in Backwerk wie Potica und Krapfen, und auch er entstand, weil Österreich-Ungarn keine Kolonien hatte.
Der entscheidende Unterschied liegt also im Alkohol. Inländerrum bezieht ihn aus Zuckerrohr, Tuzemák aus Kartoffeln oder Rüben, Domači rum aus Melasse oder Saft. Auf dem Etikett bedeutet das viel. Dazu kommt die Stärke, denn Stroh 80 und die schwächeren Flaschen bilden zusammen die Leitstile dieser Region.
Inländerrum (g.A.)Melasse · Brennblase und Kolonne
- Alkohol
- 38–60 % vol
- Reife im Fass
- 0 Jahre
Mild und süßlich, Vanille und Karamell; Rum plus Essenz, kein Fremdalkohol.