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Rum mit Wasser oder Eis trinken?

Verdünnen mit Maß

Rum mit Wasser oder Eis trinken?

Ein paar Tropfen stilles Wasser können Rum offener machen, vor allem Abfüllungen über 50 Prozent Alkohol. Eis kühlt und verdünnt dagegen kräftig und dämpft Duft und Süße. Für die Verkostung ist Wasser in kleinen Schritten sinnvoll, Eis passt eher zum entspannten Glas am Abend.

Warum Wasser Aromen im Rum freilegen kann

Viele Duftstoffe in Spirituosen mögen weder reines Wasser noch reinen Alkohol, sie sitzen gern an der Grenze zwischen beiden. Forscher der Linné-Universität im schwedischen Kalmar haben das 2017 für Whisky am Computer simuliert. Ihr Ergebnis, veröffentlicht in Scientific Reports: Der rauchige Duftstoff Guajakol sammelt sich bei bis zu 45 Prozent Alkohol bevorzugt an der Oberfläche der Flüssigkeit, also dort, wo die Nase ihn erreicht.

Ab etwa 59 Prozent wird er dagegen stärker vom Alkohol umschlossen und ins Innere gezogen. Die Studie betraf Whisky und ein einzelnes Molekül. Die Autoren vermuten, dass sich andere Aromastoffe ähnlich verhalten. Für Rum ist das eine plausible Erklärung, warum ein Overproof nach ein paar Tropfen Wasser plötzlich mehr Frucht zeigt, aber kein Beweis für jede Flasche.

Dazu kommt ein schlichter Effekt: Weniger Alkohol sticht weniger. Die Riechschleimhaut wird nicht mehr betäubt und findet feinere Noten. Bei einem Rum mit 40 Prozent ist dieser Gewinn klein, bei 57 oder 63 Prozent oft deutlich.

Wie viel Wasser in den Rum? Tropfen statt Schuss

Die Regel lautet: wenig und schrittweise. Nimm eine Pipette oder einen Teelöffel und gib zwei, drei Tropfen in das Glas. Schwenken, eine halbe Minute warten, neu riechen. Wenn sich der Rum öffnet, kannst du noch etwas nachlegen. Wenn er flach und wässrig wird, war es zu viel, und das lässt sich nicht zurücknehmen.

Das Wasser sollte still, zimmerwarm und geschmacksneutral sein. Stark mineralhaltiges Wasser bringt eigene Töne mit, Leitungswasser mit Chlorgeruch ebenso. Wer sauber vergleichen will, verkostet jeden Rum zuerst pur und dann mit Wasser und notiert beide Eindrücke getrennt.

Für Rums mit Abfüllstärken jenseits von 60 Prozent gilt Vorsicht. Ein Sunset Very Strong aus St. Vincent hat 84,5 Prozent, ein Stroh 80 aus Österreich 80 Prozent, wobei Stroh rechtlich ein Inländerrum ist. Solche Stärken pur und in großen Schlucken reizen Mund und Rachen stark. Sie sind vor allem für Mischgetränke und Backen gedacht.

Rum auf Eis: was Kälte und Schmelzwasser bewirken

Eis tut zwei Dinge gleichzeitig. Es kühlt den Rum in Minuten auf wenige Grad und gibt dabei laufend Wasser ab. Kälte bremst die Verdunstung der Duftstoffe, der Rum riecht leiser. Gleichzeitig nimmt die Zunge Süße bei niedriger Temperatur schwächer wahr. Ein stark gesüßter Rum wirkt auf Eis deshalb oft ausgewogener, als er ist.

Weil das Eis schmilzt, verändert sich der Drink mit jeder Minute. Der erste Schluck ist kalt und kräftig, der letzte kühl und dünn. Für eine Verkostung ist das unbrauchbar, weil man keinen festen Zustand beurteilt. Für ein entspanntes Glas kann es genau richtig sein. Ein großer Würfel schmilzt langsamer als viele kleine.

Wer einen Rum auf Eis kennenlernen will, probiert ihn deshalb zuerst einen Schluck pur und erst danach gekühlt. So weiß man, was das Eis verändert hat, und kann beide Eindrücke auseinanderhalten.

Pur, mit Wasser oder auf Eis: welcher Rum wie?

Ein leichter, gereifter Rum mit 40 Prozent zeigt pur meist am meisten. Wasser bringt hier wenig, Eis nimmt eher etwas weg. Bei aromastarken Rums aus Jamaika oder Guyana in Fassstärke lohnt sich das Experiment mit Wasser fast immer. Rhum Agricole blanc wird auf den Antillen traditionell im Ti’ Punch mit Limette und Rohrzucker getrunken, eher selten pur.

Wer Rum auf Eis bevorzugt, muss sich nicht rechtfertigen. Geschmack ist kein Wettbewerb. Wichtig ist nur, beim Vergleichen und Kaufen zu wissen, dass ein Rum auf Eis anders schmeckt als pur. Wer eine Flasche nach dem Eindruck auf Eis kauft, erlebt pur manchmal eine Überraschung.

Ein Wort zur Menge: Wasser im Glas verändert den Alkoholgehalt des Getränks, aber nicht die getrunkene Alkoholmenge. Ein Glas Rum mit Wasser enthält so viel Alkohol wie vorher. Ein Glas Wasser nebenher ist beim Verkosten trotzdem sinnvoll, um den Mund zu neutralisieren.

Kurz unterschieden

Pur
Zeigt den Rum so, wie er abgefüllt wurde. Bei 40 Prozent meist die beste Art, Nase und Gaumen zu beurteilen.
Mit Wasser
Ein paar Tropfen senken den Alkohol, dämpfen das Stechen und können bei Fassstärke Frucht und Holz freilegen.
Auf Eis
Kühlt und verdünnt laufend. Duft und Süße treten zurück, darum taugt Eis für den Genuss, nicht für den Vergleich.
Overproof
Abfüllungen weit über 57 Prozent. Pur in großen Schlucken reizend, vor allem für Mischgetränke und Backen gedacht.

Dazu im Lexikon

Rum pur trinken: Wasser, Eis und TempoOverproof-Rum: Stärken über 57 ProzentRum-Cocktails: wenn Eis dazugehört
ZurückAromen im Rum: von Banane bis Leder, woher sie kommenWeiterJamaika, Agricole, Demerara, Kuba: Rumstile blind erkennen

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