
Säule und Kessel
Brennen
Das Herz einer Rumbrennerei ist heiß, laut und kupfern. Auf Trinidad hat es zwei Gesichter. In Laventille arbeitet Angostura nach Angaben des Hauses mit einer kontinuierlichen Mehrsäulenanlage: Der vergorene Ansatz läuft ohne Unterbrechung hinein, der Alkohol sammelt sich oben. Das Destillat steigt Säule um Säule auf und wird dabei immer feiner.
In einer Säule steigt Dampf durch viele Böden, nimmt unterwegs Alkohol und leichte Aromastoffe mit, während schwere Begleitstoffe unten zurückbleiben. Mehrere Säulen hintereinander schärfen das Ergebnis noch. Nach EU-Recht muss das Destillat unter 96 Prozent vol bleiben, damit es noch nach Rum schmeckt. Anschließend bringt Wasser es auf Trinkstärke.
Ganz anders brannte Caroni. Nach Angaben der Fachpresse standen dort zuerst gusseiserne Brennblasen, später Pot Stills und Säulen. Eine Pot Still ist ein Kupferkessel, der Charge um Charge arbeitet; sie lässt viele Begleitstoffe im Destillat, und genau die braucht ein kräftiger, erdiger, schwerer Rum. Das ist das Rezept hinter dem, was Kenner Heavy Trinidad nennen.
Die Marken von Angostura, etwa 1919 und 1824, beruhen auf demselben Säulendestillat und unterscheiden sich erst durch Reifung und Verschnitt. Bei Caroni unterscheidet man dagegen nach Jahrgang und Stärke. Velier füllte manche Fässer ohne Verdünnung ab: Ein Caroni von 1982 kam nach 23 Jahren mit 62 Prozent vol in die Flasche.
Gargano und Seale teilen Rum privat nach dem Brennverfahren ein, nicht nach Farbe. Eine moderne Mehrsäulenanlage heißt dort schlicht „Rum“, ein Verschnitt aus Pot Still und Säule derselben Brennerei „Single Blended Rum“. Rechtlich ist das keine Norm, aber die Einteilung hilft, die beiden Gesichter der Insel auseinanderzuhalten.