
Bourbonfass, Tropenhitze
Fass & Klima
Heiß und feucht, so reift Rum auf Trinidad. Angostura lagert nach Angaben des Hauses in Bourbonfässern aus amerikanischer Eiche, deren Innenseite angekohlt ist. Das Holz gibt Vanille, Karamell und Röstaromen ab und nimmt dem Destillat die Schärfe. Weil die Fässer schon einmal Bourbon enthielten, wirkt ihr Holz milder als das neuer Fässer.
In den Tropen arbeitet das Holz schneller als im kühlen Schottland, aber es verlangt auch einen Preis: Die Fachpresse nennt für die Karibik oft um die acht Prozent Verdunstung im Jahr, in Schottland sind es etwa zwei. Dieser Verlust heißt Engelsanteil. Daher kommt die Faustregel, ein Jahr Tropen zähle wie drei Jahre in Europa, ein Satz aus dem Marketing, der chemisch nicht aufgeht.
Der Name Angostura 1919 geht der Überlieferung des Hauses nach auf ein Feuer im staatlichen Rumlager von 1932 zurück: Angekohlte Fässer, die 1919 gefüllt worden waren, wurden damals gerettet. Der 1824 trägt dagegen das Jahr des Bitter-Rezepts und besteht nach Herstellerangabe aus Fässern, die der Kellermeister auswählt und die mindestens zwölf Jahre gelegen haben.
Auch Caroni zeigt, was Reifung anrichten kann. Als Velier die Bestände erwarb, lagen die Fässer noch auf der Insel. Später brachte das Haus seine Caroni-Fässer nach Guyana, wo sie bei Demerara Distillers noch mehrere Jahre weiter reiften. Ein Rum, der in zwei Ländern gelegen hat, trägt die Handschrift beider Orte, und das gehört zu seiner Besonderheit.
Welche Zahl darf auf dem Etikett stehen? Eine eigene Altersregel für Trinidad kennt das EU-Register nicht, es gilt die allgemeine Vorgabe: Angegeben werden darf nur das Alter des jüngsten Bestandteils im Verschnitt, und die Reifung muss unter Steuerkontrolle eines Mitgliedstaats oder unter gleichwertiger Kontrolle stattgefunden haben. Eine Altersangabe sagt also, was mindestens in der Flasche steckt, nicht den Durchschnitt.