
Solera im Tal
Fass & Klima
Frisch gebrannt ist der Rum aus Aragua farblos und scharf. Erst das Holz macht ihn zum Añejo, wie man in Spanisch sprechenden Ländern gealterten Rum nennt. Für Ron de Venezuela verlangt die DOC mindestens zwei Jahre in Eichenfässern. Weniger reif darf er diesen Namen nicht tragen, egal ob er am Ende hell oder dunkel im Glas steht.
Das warme Klima der Valles de Aragua treibt die Reifung an. Das Holz bleibt aktiv, der Rum zieht schneller Farbe, Vanille und Gerbstoffe, und gleichzeitig verdunstet viel Alkohol und Wasser durch die Poren der Dauben. Die Fachpresse nennt für tropische Lager oft rund acht Prozent im Jahr, in Schottland sind es etwa zwei. Das ist der Anteil der Engel.
Santa Teresa reift seinen Rum 1796 nach Angaben des Hauses in einer Solera. Das Verfahren stammt aus den Sherry-Bodegas Spaniens. Die Fässer liegen in Reihen übereinander, abgefüllt wird nur ein Teil aus der untersten Reihe, und was fehlt, füllt man aus der Reihe darüber auf, diese wiederum aus der nächsten. Laut Hausbeschreibung folgt eine Endreifung in großen Bottichen aus französischer Eiche.
Der Vorteil der Solera liegt im gleichbleibenden Geschmack. Weil das System nie ganz leer wird, mischen sich alte und junge Anteile Jahr für Jahr, und die Flasche schmeckt auch nach Jahren noch wie die davor. Der Preis dafür sind fehlende Jahrgänge: Eine Solera-Flasche enthält Rum aus vielen Jahren, nie aus einem einzigen.
Was ein Alter auf dem Etikett bedeutet, regelt in der EU das Gesetz. Es muss sich auf den jüngsten Anteil im Verschnitt beziehen, und die Reifung muss unter Steuerkontrolle stattgefunden haben. Die Zahl im Namen Santa Teresa 1796 ist dagegen ein Gründungsjahr, kein Alter. Bei Solera-Zahlen auf anderen Etiketten ist stets der älteste Anteil gemeint, nicht der Durchschnitt.