
Der venezolanische Añejo
Rumstil
Venezolanischer Rum gehört zur spanischen Schule, in der Rum leicht, weich und früh trinkbar sein soll. Er wird aus Melasse gebrannt und im Eichenfass gereift, nicht aus frischem Rohrsaft wie auf Martinique. Vom wuchtigen Ester-Stil Jamaikas ist er weit entfernt.
Der Leitstil heißt Ron de Venezuela. Das ist keine Marke, sondern eine geschützte Herkunftsbezeichnung: Wer sie trägt, muss venezolanischen Rohstoff verwenden und den Rum mindestens zwei Jahre in Eichenfässern reifen lassen. Im Glas zeigt sich meist ein mildes Aroma von Vanille, Karamell, Trockenfrucht und Röstnoten, mit wenig Schärfe im Abgang. Die Reife zeigt sich in der Farbe, aber auch im Holzton, der um so deutlicher wird, je länger das Fass den Rum begleitet hat.
Ein zweiter Leitstil ist der Solera-Verschnitt, den die Hacienda Santa Teresa mit ihrem Rum 1796 pflegt. Hier mischen sich Rums verschiedener Alter aus Kesselbrennblase und Säule, und das Ergebnis schmeckt rund, würzig und gleichbleibend. Die Marke Cacique und die Marke Pampero stehen dagegen für den Rum, den man in Venezuela im Alltag kennt.
Bei den Stufenbezeichnungen wie Añejo, Reserva oder Gran Reserva hilft die DOC kaum. Das sind Handelsbegriffe ohne einheitliche Norm, nur das Mindestalter von zwei Jahren ist durch die Herkunftsbezeichnung fest. Wer wissen will, wie reif ein Rum wirklich ist, liest die Altersangabe auf dem Etikett und prüft, ob sie sich auf den jüngsten Anteil bezieht.
Weil die DOC das Mindestalter festlegt, taugt sie als Wegweiser. Ein Ron de Venezuela ist immer ein gereifter Rum, ein ungereifter, glasklarer Rum darf den Namen nicht tragen. Der Unterschied zu den Rums der Nachbarregion Lara liegt dabei nicht in den Regeln, sondern in den Häusern, die sie anwenden.
Ron de Venezuela (DOC)Melasse · Brennblase und Kolonne
- Alkohol
- 40–43 % vol
- Reife im Fass
- 2–25 Jahre
Weich und rund, Vanille, Karamell, Trockenfrucht. Mindestens zwei Jahre Eiche.