
Einwanderer und Espumante
Region & Geschichte
Brasilianischer Schaumwein heißt Espumante, und ein großer Teil davon stammt aus der Serra Gaúcha im Süden des Landes. Italienische Einwanderer besiedelten die Berge von Rio Grande do Sul ab 1875. Garibaldi, damals noch Colônia Conde d’Eu, war der erste Siedlungskern in den Bergen und trägt seinen heutigen Namen seit 1900.
Die Siedler brachten Reben und Kellerwissen aus Norditalien mit. Dass daraus Schaumwein wurde, wird in Garibaldi auf das Jahr 1913 datiert: Auf der ersten Traubenausstellung der Region soll Manoel Peterlongo Filho den ersten brasilianischen Schaumwein vorgestellt haben. Die Kellerei Peterlongo nennt 1915 als Gründungsjahr und sitzt bis heute in Garibaldi. Seit 1973 baut dort auch Chandon do Brasil Schaumwein aus, ein Ableger von Moët & Chandon, der nach Angaben von LVMH die Erfahrung aus der Champagne mit dem Klima der Serra verbinden sollte.
Der Herkunftsschutz kam in Stufen. Das Vale dos Vinhedos, ein Tal zwischen Bento Gonçalves, Garibaldi und Monte Belo do Sul, bekam 2002 als erstes Gebiet Brasiliens eine geschützte Herkunftsangabe und 2012 die Denominação de Origem, kurz DO, die strengere Stufe. Am 29. November 2022 erschien im Amtsblatt des Patentamts INPI die Anerkennung der DO Altos de Pinto Bandeira. Sie gilt als erste Herkunftsbezeichnung der Neuen Welt, die ausschließlich Schaumwein umfasst.
Das Gebiet misst rund 65 Quadratkilometer. Gut drei Viertel liegen in der Gemeinde Pinto Bandeira, der Rest in Farroupilha und Bento Gonçalves. Ein Schaumwein darf den Namen nur tragen, wenn die Trauben dort von Hand gelesen wurden und der Wein in der Flasche vergoren ist.
Espumante ist in Brasilien der Oberbegriff für Schaumwein jeder Machart, vom Tankwein bis zur Flaschengärung. Die beiden DO grenzen daraus die Flaschengärung heraus.