
Höhe und Vulkangestein
Boden & Klima
Brasilien denkt man warm, und doch entstehen die Schaumweine der Serra Gaúcha in den Bergen. Das Gebiet Altos de Pinto Bandeira liegt oberhalb von 500 Metern und erreicht im Mittel 632 Meter, das Gelände ist wellig bis bergig. Die Höhe bringt kühlere Nächte, und kühle Nächte halten die Säure in den Beeren. Ein Schaumwein braucht diese Säure, damit er am Gaumen frisch bleibt und nicht schwer wird.
Der Boden ist vulkanisch. Die Gesteine der Serra Geral, einer mächtigen Lavaformation des Südens, sind hier überwiegend sauer bis mittelsauer. In vielen Lagen ist das Gestein zerbrochen, und das macht für die Reben einen spürbaren Unterschied: Die Wurzeln finden Wege, und der Boden hält weniger Wasser als schwerer Lehm. Kreide oder Kalk, wie man sie aus der Champagne kennt, gibt es hier nicht.
Das Vale dos Vinhedos ist mit 72,45 Quadratkilometern etwas größer als das Gebiet von Pinto Bandeira. Rund 61 Prozent der Fläche liegen in Bento Gonçalves, gut 33 Prozent in Garibaldi und gut 5 Prozent in Monte Belo do Sul. Neben Schaumwein wachsen dort auch Stillweine, und die Herkunftsregel trennt beides sauber.
Ein Teil der Häuser lässt die Flaschen unter der Erde reifen, wo es gleichmäßig kühl bleibt. Casa Valduga im Vale dos Vinhedos nennt für einen seiner Schaumweine zwölf Monate im unterirdischen Keller. Wer Schaumwein in den Bergen eines warmen Landes herstellt, spielt mit dem Gefälle: Auf der Höhe wächst das Aroma, im Keller ruht der Wein.
Für Reisende heißt das, dass die Serra Gaúcha nicht ein einheitliches Weinland ist. Zwischen den Hängen von Pinto Bandeira und den Tälern bei Bento Gonçalves liegen wenige Kilometer, aber mehrere Hundert Höhenmeter.