
Rot trifft Schaum
Region & Geschichte
Crémant de Bordeaux klingt für viele wie ein Widerspruch, denn Bordeaux gilt als Land der Roten. Und doch entsteht an Garonne und Dordogne Schaumwein nach dem Verfahren der Champagne, nur eben aus Sémillon, Sauvignon und Merlot statt aus Chardonnay und Pinot noir.
Die Wurzeln reichen ins 19. Jahrhundert. Nach Angaben des Hauses Lateyron in Montagne, nördlich von Saint-Émilion, nutzte ein Weinhändler schon 1892 rund drei Kilometer kühle Stollen für Schaumwein; 1897 folgte die Gründung der Kellerei.
Zu den frühen Häusern zählt Ballarin, das nach Darstellung von Fachportalen 1947 als erstes in Bordeaux Schaumwein mit traditioneller Flaschengärung erzeugte. Händlerhäuser wie Calvet führen heute einen eigenen Crémant de Bordeaux.
Heute ist Crémant de Bordeaux eine der acht französischen Crémant-Appellationen, neben Alsace, Bourgogne, Die, Jura, Limoux, Loire und Savoie. Eine ältere Bezeichnung lautete Bordeaux mousseux. Auf dem Etikett steht „Crémant“ immer zusammen mit dem Namen der Appellation, nie allein.
Für den Namen darf die ganze Weinbauregion Bordeaux liefern, vom Médoc bis ins Entre-Deux-Mers. Anders als in der Champagne gibt es also keine kleine, eng umrissene Kernzone. Ein Crémant aus Saint-Émilion kann daher anders schmecken als einer aus dem Entre-Deux-Mers, denn Boden und Rebsorten wechseln mit dem Hang.
Weit südöstlich, am Fluss Tarn unweit von Albi, liegt Gaillac. Benediktinermönche der Abtei Saint-Michel sollen dort im 10. Jahrhundert den Weinbau neu belebt haben, und Winzer berufen sich auf Quellen von 1591 für ihren Schaumwein. Ob das schon die heutige Art war, bleibt Überlieferung. Gaillac setzt auf den Mauzac, eine Sorte, die man auch aus Limoux kennt. Wer Gaillac ansteuert, trifft auf einen Schaumwein, der mit Crémant wenig zu tun hat: Er entsteht mit einer einzigen Gärung, die in der Flasche zu Ende geht.