
Von Riquewihr aus
Region & Geschichte
Was ist Crémant d’Alsace, und wie kam er ins Elsass? Es ist der Schaumwein der Region, in der Flasche ein zweites Mal vergoren, ganz nach Art der Champagne und doch mit eigenem Namen. Sein Anfang liegt um 1900. Damals gehörte das Elsass zum Deutschen Reich. Nach Angaben des Hauses Dopff au Moulin sah Julien Dopff aus Riquewihr auf der Pariser Weltausstellung Schaumweine, die ihn nicht mehr losließen.
Er lernte danach, so das Haus, zwei Jahre beim Champagnerhaus Mercier und brachte das Verfahren in sein Dorf zurück. Ein Massenwein wurde der Schaum daraus lange nicht. Im Jahr 1979 wurde nach gängiger Zählung rund eine Million Flaschen Crémant verkauft.
Dann ging es steil nach oben, und heute sind es mehr als 30 Millionen Flaschen im Jahr. Den Rahmen schuf 1976 die eigene Appellation, also die geschützte Herkunft. Sie verlangt Handlese, höchstens 100 Liter Most aus 150 Kilogramm Trauben und Flaschengärung, und der Name Crémant darf nur zusammen mit „d’Alsace“ stehen.
Wer den Unterschied zwischen Crémant und Champagner sucht, findet ihn zuerst in der Zeit und in den Trauben. Champagner muss ohne Jahrgang mindestens 15 Monate ab der Abfüllung reifen, für Crémant schreibt das EU-Recht mindestens neun Monate auf der Hefe vor. Dafür steht im Elsass Pinot blanc im Mittelpunkt statt Chardonnay.
Getragen wird das Ganze von Familienhäusern wie Dopff au Moulin und von Genossenschaften. Die Genossenschaft Wolfberger in Eguisheim bei Colmar, 1902 gegründet, gilt als größter Crémant-Erzeuger der Region. Rund 450 Winzer gehören ihr an, und aus ihren Kellern stammen viele Flaschen, die man ganz selbstverständlich im Handel findet.