
Chenin am Fluss
Region & Geschichte
Vouvray gilt als Stillweinort, doch ungefähr die Hälfte der Ernte wandert nach Angaben der Winzer in Vouvray mousseux und Vouvray pétillant. Der Mousseux ist ein richtiger Schaumwein, der Pétillant seine sanftere Schwester mit weniger Druck. Beide entstehen aus Chenin, gewachsen an den Hängen östlich von Tours. Auf dem Etikett steht Vouvray als Herkunft, und der Zusatz mousseux oder pétillant verrät, wie kräftig der Schaum ausfällt.
Der Überlieferung nach pflanzte der heilige Martin im Jahr 372 bei der Abtei Marmoutier am Stadtrand von Tours die ersten Reben der Gegend. Gesichert ist der spätere Handel: Im 16. und 17. Jahrhundert förderten holländische Kaufleute den Weinbau um Tours. Die Loire war damals die Verkehrsader, auf der die Fässer flussabwärts zum Meer fuhren.
Die Appellation Vouvray entstand mit dem Dekret vom 8. Dezember 1936. Das Winzerdorf Montlouis-sur-Loire am Südufer des Flusses folgte am 6. Dezember 1938 und löste sich als eigene Appellation von Vouvray. Beide Gebiete liegen im Département Indre-et-Loire. Seither teilen sich zwei Herkünfte dieselbe Rebe, und beide machen Schaumwein, jede auf ihre Weise.
Das Haus Marc Brédif, nach eigenen Angaben 1893 gegründet, wird als Wegbereiter des Vouvray-Schaumweins genannt und lagert seine Flaschen in Höhlen, die man aus dem Tuffstein gegraben hat. Daneben zählt Domaine Huet zu den klassischen Namen der Appellation.
Heute arbeiten in Vouvray gut 160 Betriebe auf etwa 2.250 Hektar, in Montlouis rund 40 Betriebe auf knapp 400 Hektar. Das ist wenig im Vergleich zur Champagne, und deshalb bleibt vieles Handarbeit. Montlouis nahm in den späten 2000er-Jahren zudem den Pétillant Originel in sein Pflichtenheft auf, einen Pét-Nat mit amtlichem Namen.
Den Stillwein der Loire erzählt die Weinreise; hier geht es allein um das, was im Glas perlt.