
Chenin, sonst nichts
Rebsorten
Chenin blanc heißt in der Touraine auch Pineau de la Loire, und um ihn dreht sich in Vouvray und Montlouis alles. In Montlouis ist er die einzige erlaubte Sorte. Das Pflichtenheft für Vouvray mousseux nennt daneben noch Arbois, eine Nebensorte mit dem Ortsnamen Menu Pineau, doch praktisch alles im Weinberg ist Chenin, und man schmeckt ihn auch.
Warum eignet sich Chenin für Schaumwein? Er behält selbst bei später Reife viel Säure, und Säure ist das Gerüst, das einen Schaumwein frisch hält. Ein Chenin-Grundwein riecht nach Quitte, Apfel, Kamille und Honig, manchmal nach nasser Wolle, und das meiste davon bleibt nach der zweiten Gärung erhalten. Dieselbe Säure erklärt, warum Chenin beim Altern gewinnt: Der Wein wird mit den Jahren eher feiner als müde.
Chenin reift spät und sehr ungleichmäßig. Im selben Weinberg hängen grüne und überreife Trauben zugleich, deshalb liest man oft in mehreren Durchgängen. Für Schaumwein nimmt man früh, wenn die Säure hoch und der Zucker noch niedrig ist.
Für Vouvray pétillant verlangt die Appellation mindestens 136 Gramm Zucker je Liter Most. Das entspricht rund acht Volumenprozent Alkohol im fertigen Wein und zeigt, wie früh die Lese für Schaumwein fällt, verglichen mit süßen Stillweinen.
Die Erträge sind begrenzt: 52 Hektoliter je Hektar für Stillwein, 65 für den Schaumwein in Vouvray. Beim Montlouis Pétillant Originel gelten wie beim Stillwein 52 Hektoliter.
Chenin lässt sich je nach Jahr trocken, halbtrocken oder süß ausbauen, für den Schaumwein wählt man die trockenere Linie. Rote Sorten sucht man vergeblich. Andere Loire-Schaumweine, etwa der Crémant de Loire, mischen Chenin mit weiteren Sorten, hier dagegen steht der Chenin allein im Glas.