
Granit und Kalk
Boden & Klima
Zwei Böden prägen die Geschichte: Granit und Sandstein an den Hängen um Stellenbosch, Kalk im Tal bei Robertson. Beide liegen am Kap, doch sie schmecken im Glas verschieden.
Stellenbosch liegt rund fünfzig Kilometer östlich von Kapstadt zwischen Bergketten. Im Norden ragt der Simonsberg auf, auf den der Name Simonsig anspielt. Am Nachmittag zieht kühle Meeresluft aus der False Bay durch die Täler und nimmt den Trauben die größte Hitze. So behalten sie ihre Säure, während der Zucker steigt.
Robertson liegt landeinwärts im Tal des Breede-Flusses. Hier ist es trocken, der Fluss liefert das Wasser für die Reben, und der Boden ist reich an Kalk. Nach Angaben von Graham Beck erinnert dieses Terroir in manchen Zügen an die Champagne.
Wichtig für Schaumwein ist der Kalk. Nach der Fachpresse halten kalkreiche Böden den pH-Wert niedrig und die Säure hoch. Der pH-Wert misst, wie sauer ein Wein auf der Zunge tatsächlich wirkt; je niedriger er liegt, desto frischer schmeckt der Wein und desto besser hält er sich. Genau diese Säure braucht ein Cap Classique als Gerüst, bevor Hefe und Dosage ihn später runder machen.
Weil das Jahr am Kap gegenüber Europa verschoben ist, beginnt die Lese schon im Januar, mitten im Hochsommer. Für Schaumwein wird besonders früh gelesen, solange die Beeren wenig Zucker und viel Säure tragen. Jede Woche Hitze mehr kostet Säure, deshalb zählt der Lesetermin hier stärker als vieles andere im Keller.
Wer Cap Classique aus beiden Gegenden nebeneinander probiert, achtet am besten auf die Säure. Ob sie vom Kalk oder vom Meereswind stammt, klärt sich nur im Glas.