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Die großen Champagnerhäuser: Geschichte und Eigentümer

Häuser und Konzerne

Die großen Champagnerhäuser: Geschichte und Eigentümer

Champagnerhäuser sind Kellereien, die Trauben von vielen Winzern zukaufen, daraus ihre Cuvées mischen und unter eigenem Namen verkaufen. Das älteste reine Champagnerhaus ist Ruinart, gegründet 1729 in Reims. Heute gehören viele große Marken zum Konzern LVMH, andere sind seit Generationen in Familienhand.

Was ist ein Champagnerhaus?

Auf Französisch heißt ein Champagnerhaus Maison. Gemeint ist ein Betrieb, der eigene Reben haben kann, den größten Teil seiner Trauben aber bei Winzern kauft. Die Zahlen des Comité Champagne, des Branchenverbands der Region, zeigen das Gefälle deutlich: Rund 16.200 Winzer bewirtschaften etwa 90 Prozent der Rebfläche. Die rund 370 Häuser verschicken dagegen mehr als zwei Drittel aller Flaschen. Weinberg und Keller liegen in der Champagne also oft in verschiedenen Händen.

Die eigentliche Kunst eines Hauses ist die Assemblage, das Mischen vieler Grundweine aus verschiedenen Gemeinden, Rebsorten und Jahren. Ein großes Haus verarbeitet Trauben aus Dutzenden Dörfern und kann so jedes Jahr einen wiedererkennbaren Stil treffen. Das trennt es von einer deutschen Sektkellerei, die ihren Grundwein aus ganz Europa beziehen darf. Ein Champagnerhaus muss jede Traube aus der geschützten Appellation Champagne holen, also aus dem gesetzlich abgegrenzten Anbaugebiet.

Sichtbar wird die Macht der Häuser unter der Erde. In Reims und Épernay liegen kilometerlange Keller im Kreidefels, in denen Millionen Flaschen bei gleichmäßiger Kühle reifen. Ruinart nutzt seine Kreidegruben, die Crayères, seit 1768; seit 1931 stehen sie unter Denkmalschutz. Solche Keller sind teuer im Unterhalt und binden viel Kapital, weil jede Flasche dort mindestens 15 Monate liegt, bevor sie verkauft werden darf. Ein kleiner Winzer kann diesen Vorrat kaum aufbauen, ein großes Haus lebt davon.

Wann wurden die bekannten Champagnerhäuser gegründet?

Den Startschuss gab ein Erlass Ludwigs XV. von 1728, der den Transport von Wein in Flaschen erlaubte. Vorher reiste Wein im Fass, und ein Schaumwein hätte die Reise nicht überstanden. Schon am 1. September 1729 gründete sich in Reims Ruinart, das als ältestes Haus gilt, das ausschließlich Champagner macht. Gosset beruft sich zwar auf das Jahr 1584, allerdings als Weinhaus und nach eigener Angabe. Taittinger führt seine Wurzeln auf 1734 zurück, den Namen Taittinger trägt das Haus erst seit 1932.

Im 18. Jahrhundert folgten Moët in Épernay 1743, Lanson 1760, Veuve Clicquot 1772 und das spätere Louis Roederer 1776, das zunächst Dubois Père & Fils hieß. Das 19. Jahrhundert brachte die zweite Welle: Perrier-Jouët 1811, Laurent-Perrier 1812, Billecart-Salmon 1818, Mumm 1827, Bollinger 1829, Krug 1843, Pol Roger 1849 und Pommery 1858. Auffällig viele Gründer kamen aus Deutschland, etwa aus Mainz, Köln oder Ellwangen. Ihre Geschichte erzählt die Themenreise zur Geschichte des Schaumweins ausführlicher.

Wem gehören die Champagnerhäuser heute?

Der größte Eigentümer ist der Luxuskonzern LVMH. Zu ihm gehören Moët & Chandon mit seiner Spitzenmarke Dom Pérignon, Veuve Clicquot seit 1986/87 und Krug seit Januar 1999; vorher gehörte Krug zu Rémy Cointreau. Für den Kunden ändert ein Konzern wenig am Etikett, wohl aber an Reichweite und Werbung: Diese Marken stehen weltweit in Bars, Flughäfen und Supermärkten.

Daneben gibt es Häuser, die ihre Unabhängigkeit betonen. Louis Roederer gehört der Familie Rouzaud, Bollinger und Pol Roger sind ebenfalls in Familienbesitz. Taittinger ist ein Sonderfall: 2005 wurde das Haus an die amerikanische Starwood-Gruppe verkauft, am 31. Mai 2006 kaufte die Familie es mit der Bank Crédit Agricole Nord-Est zurück. Mittelgroße Gruppen bündeln mehrere Marken. Zur Laurent-Perrier-Gruppe gehören etwa Salon, Delamotte und De Castellane, Lanson ist seit 2006 Teil von Lanson-BCC.

Was verrät der Hausname über den Champagner?

Ein bekannter Name garantiert keinen bestimmten Weinberg. Er steht für einen Stil, den das Haus über Jahrzehnte pflegt: eher kräftig und von Pinot Noir geprägt, eher schlank und von Chardonnay bestimmt, mehr oder weniger Holz, mehr oder weniger Reife. Wer diesen Stil kennt, weiß ungefähr, was im Glas landet. Über die Herkunft der einzelnen Trauben sagt der Name dagegen wenig, denn ein Haus kauft je nach Ernte bei Hunderten Winzern.

Mehr verrät ein kleines Kürzel auf dem Etikett. Die Buchstaben NM zeigen ein Handelshaus an, RM einen Winzer, der selbst erzeugt, CM eine Genossenschaft. Was hinter diesen Kürzeln steckt, erklärt die nächste Station. Für den Einstieg reicht die Faustregel: Ein Haus verkauft einen verlässlichen Stil, ein Winzer eher die Handschrift seines Dorfes. Besser oder schlechter ist damit keines von beiden.

Kurz unterschieden

Champagnerhaus (NM)
Kauft Trauben oder Most bei vielen Winzern zu und mischt daraus einen Hausstil; alle Trauben stammen aus der Appellation Champagne.
Winzerchampagner (RM)
Ein Winzer erzeugt den Champagner aus eigenen Trauben selbst; der Wein zeigt eher Dorf und Lage als einen Hausstil.
Sektkellerei
Darf Grundwein aus ganz Europa verarbeiten, solange das Etikett die Herkunft nennt; erst Sekt b.A. bindet an ein deutsches Anbaugebiet.

Dazu im Lexikon

Champagner im LexikonSekt, Champagner, Prosecco im VergleichFlaschengärung erklärt
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