
Die Spitzenweine
Prestige-Cuvées: Dom Pérignon, Cristal, Krug und Co.
Eine Prestige-Cuvée ist der Spitzenchampagner eines Hauses, meist aus besonders gut bewerteten Gemeinden, oft aus einem einzigen Jahr und länger gereift als der Standard. Der Begriff ist rechtlich nicht geregelt. Als erste Prestige-Cuvée gilt Cristal, den Louis Roederer 1876 für Zar Alexander II. füllte.
Was macht eine Prestige-Cuvée aus?
Anders als Grand Cru oder Millésime steht der Ausdruck in keinem Gesetz. Jedes Haus entscheidet selbst, welcher Wein seine Spitze bildet und wie er heißt. Trotzdem ähneln sich die Rezepte. Die Trauben stammen meist aus den besten Gemeinden oder sogar einzelnen Weinbergen, die Grundweine werden streng ausgewählt, und die Flaschen reifen deutlich länger als die gesetzlichen 15 oder 36 Monate. Oft kommen eine eigene Flaschenform und eine aufwendige Ausstattung hinzu.
Die meisten Prestige-Cuvées sind Jahrgangschampagner, einige bewusst nicht. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Handschrift des Hauses besonders deutlich zeigen sollen und in kleinen Mengen entstehen. Für Einsteiger lohnt eine nüchterne Sicht: Der Abstand zwischen einem guten Brut ohne Jahrgang und einem Jahrgangschampagner ist oft spürbarer als der Abstand zwischen Jahrgang und Prestige-Cuvée.
Cristal und Dom Pérignon: die bekanntesten Namen
Cristal entstand 1876 für den Hof von Zar Alexander II. und blieb lange ein Wein für wenige. Erst ab 1945 konnte man ihn frei kaufen. Louis Roederer gehört bis heute der Familie Rouzaud. Die Geschichte rund um den Zarenhof und den süßen Geschmack Russlands erzählt die Themenreise zur Geschichte des Schaumweins, hier zählt die Rolle als Vorbild: Cristal zeigte, dass ein Haus über seinem Hauptwein eine eigene Spitze setzen kann.
Dom Pérignon ist die Prestigemarke von Moët & Chandon und gehört zu LVMH. Der erste Jahrgang stammt von 1921, verkauft wurde er ab 1936. Es gibt ihn nur als Jahrgang, einen Rosé seit dem Jahrgang 1959. Benannt ist er nach Pierre Pérignon, der von 1668 bis 1715 Kellermeister der Abtei Hautvillers war. Erfunden hat der Mönch den Champagner nicht, er gilt aber als Wegbereiter bei Assemblage und Pressung.
Krug, Salon und Einzellagen: die Ausnahmen
Krug geht einen anderen Weg. Seine Grande Cuvée trägt keine Jahreszahl, sondern vereint nach Angaben des Hauses mehr als 120 Weine aus mehr als zehn Jahren. Seit 2016 nummeriert Krug jede Abfüllung als Edition und begann dabei mit der 163. Edition. Hier zeigt sich, dass ein Champagner ohne Jahrgang durchaus an der Spitze stehen kann, wenn die Reserveweine alt und vielfältig genug sind.
Salon aus Le Mesnil-sur-Oger macht dagegen fast nichts anderes als eine Prestige-Cuvée: nur Chardonnay, nur Jahrgang, nur in ausgewählten Jahren. Das Haus gehört heute zur Laurent-Perrier-Gruppe. Eine dritte Spielart sind Champagner aus einem einzigen ummauerten Weinberg, einem Clos, etwa der Clos du Mesnil von Krug. Perrier-Jouët nennt seine Spitze Belle Époque, Ruinart die seine Dom Ruinart. Die Namen sind verschieden, das Prinzip ist ähnlich.
Was bekommt man bei einer Prestige-Cuvée?
Vor allem Zeit. Viele dieser Weine liegen Jahre länger im Keller als vorgeschrieben, bevor sie das Haus verlassen. Das verändert die Struktur: Die Säure wirkt eingebunden, die Perlage fein, die Aromen gehen von frischer Frucht zu Brioche, Nuss und Gewürz. Dazu kommt die Herkunft aus Grand-Cru-Gemeinden, die viele dieser Cuvées prägen, und eine strenge Auswahl der Grundweine.
Was man nicht bekommt, ist eine Garantie für den eigenen Geschmack. Wer lebhafte, fruchtige Schaumweine mag, wird einen jungen Brut ohne Jahrgang womöglich lieber trinken als eine gereifte Spitzencuvée. Solche Weine entfalten sich am besten in einem Weißweinglas mit etwas Luft und bei nicht zu kalter Temperatur. Teuer heißt hier vor allem selten und aufwendig, nicht automatisch passend für jeden Anlass.
Erkennen lässt sich eine Prestige-Cuvée im Regal nur am Auftritt, denn ein amtliches Zeichen gibt es nicht. Typisch sind ein eigener Name statt der Hausbezeichnung Brut, eine besondere Flasche oder Verpackung und meist eine Jahreszahl. Wer sicher gehen will, prüft das Kürzel NM, die Jahresangabe und, falls vorhanden, das Degorgierdatum. Diese drei Angaben sagen mehr als jede Goldfolie.