
Französische Häuser weltweit
Champagnerhäuser in der Neuen Welt: Chandon, Roederer, Taittinger und Co.
Seit Jahrzehnten machen große Champagnerhäuser auch Schaumwein außerhalb Frankreichs. Moët & Chandon gründete 1973 Domaine Chandon im Napa Valley, Louis Roederer 1982 Roederer Estate in Kalifornien, Taittinger 1987 Domaine Carneros. Champagner dürfen diese Weine nicht heißen, auch bei gleichem Verfahren.
Warum gingen Champagnerhäuser nach Amerika?
Die Champagne ist ein begrenztes Gebiet. Ihre Fläche ist gesetzlich abgegrenzt, und neue Weinberge lassen sich dort kaum anlegen. Wer wachsen wollte, musste anderswo Trauben finden. Gleichzeitig stieg in den USA, in Südamerika und später in Asien die Nachfrage nach Schaumwein. Ein eigener Betrieb vor Ort sparte lange Transportwege und brachte den Namen des Hauses auf einen neuen Markt.
Dazu kam die Frage des Klimas. Schaumwein braucht Trauben mit viel Säure und nicht zu viel Zucker, die also eher kühl und früh reifen. In Kalifornien fand man solche Bedingungen in Gegenden, die vom kühlen Pazifik beeinflusst werden, in Argentinien in hoch gelegenen Weinbergen. Die Häuser brachten ihr Wissen über Assemblage, Flaschengärung und Hefelager mit, häufig zusammen mit Kellermeistern aus der Champagne.
Chandon: von Mendoza bis ins Napa Valley
Den Anfang machte Moët & Chandon in Argentinien. Um 1960 entstand in Mendoza der erste Chandon-Betrieb außerhalb Frankreichs, das genaue Gründungsjahr wird unterschiedlich angegeben. 1973 folgte Domaine Chandon in Yountville im Napa Valley, der erste französische Schaumweinbetrieb dort. Später kamen weitere Chandon-Betriebe in anderen Ländern hinzu, sodass der Name heute für eine ganze Familie von Schaumweinen steht.
Die Weine heißen schlicht Chandon und tragen keinen Hinweis auf die Champagne. Das ist Absicht und Pflicht zugleich, denn der Name Champagne ist in der EU und in vielen anderen Ländern geschützt. Hinter der Marke steht der Konzern LVMH, zu dem auch Moët & Chandon gehört. So verkauft ein Konzern unter verwandten Namen Champagner aus Épernay und Schaumwein aus Kalifornien, und erst das Etikett zeigt, welche Herkunft gemeint ist.
Roederer, Mumm, Taittinger: die Welle in Kalifornien
Nach Chandon zogen weitere Häuser nach Kalifornien. Mumm startete laut Sekundärquellen 1979 das Projekt, aus dem Mumm Napa wurde. Louis Roederer gründete 1982 Roederer Estate im Anderson Valley im Bezirk Mendocino, einer der kühleren Gegenden des Bundesstaats. Taittinger folgte 1987 mit Domaine Carneros in der Region Carneros südlich von Napa und Sonoma, wo Nebel und Wind von der Bucht von San Francisco die Trauben kühlen.
Diese Betriebe arbeiten meist mit den klassischen Champagnersorten Chardonnay und Pinot Noir und mit traditioneller Flaschengärung. Ihr Stil ist oft fruchtiger und reifer als in der Champagne, weil die Trauben mehr Sonne bekommen. Das ist kein Mangel, sondern eine andere Herkunft. Methode und Rebsorten können gleich sein, Boden, Klima und Herkunftsrecht sind es nicht. Genau daran trennt sich ein kalifornischer Schaumwein von einem Champagner, auch wenn dasselbe Haus dahintersteht.
Taittinger in Kent: Champagnerhäuser in England
In jüngster Zeit zieht es Champagnerhäuser auch nach Norden. Mit dem wärmeren Klima reifen in Südengland Trauben, die sich für Schaumwein eignen, oft auf Kreideböden, die denen der Champagne ähneln. Taittinger hat in Kent das Weingut Domaine Evremond aufgebaut, dessen erste Flaschen im April 2025 auf den Markt kamen. Englischer Schaumwein hat mit Sussex seit 2022 sogar eine eigene geschützte Herkunft.
Es gibt auch Schaumweinpioniere ohne französisches Mutterhaus. In Südafrika gilt der Kaapse Vonkel von Simonsig aus dem Jahr 1971 als erster Flaschengärer des Landes. Die Häuser aus der Champagne haben die Entwicklung dennoch beschleunigt, weil sie Kapital, Technik und internationale Vertriebswege mitbrachten. Für Käufer bleibt die Regel einfach: Ein bekannter Champagnername auf einem Schaumwein aus Kalifornien oder England steht für Erfahrung aus der Champagne, aber nicht für Champagner.