
Ein Welterfolg
Wie Prosecco die Welt eroberte: von Conegliano zu 667 Millionen Flaschen
Prosecco eroberte die Welt mit drei Dingen: der Tankgärung, die den frischen Duft der Glera bewahrt, der Herkunftsreform von 2009 und der Lust auf leichte, unkomplizierte Schaumweine. 2025 verkaufte allein die DOC Prosecco 667 Millionen Flaschen, mehr als 82 Prozent davon im Export.
Die Anfänge: Antonio Carpenè und die Schule von Conegliano
In den Hügeln zwischen Conegliano und Valdobbiadene in der Provinz Treviso wird seit Jahrhunderten Wein angebaut. Zum Schaumwein-Ort wurde die Gegend im 19. Jahrhundert. 1868 gründete Antonio Carpenè in Conegliano ein Unternehmen, das schäumende Weine und Destillate herstellen sollte. Die Firma Carpenè Malvolti gilt bis heute als einer der Pioniere des Prosecco, auch wenn Pioniertitel in der Weingeschichte oft umstritten sind.
1876 entstand in Conegliano die erste Weinbauschule Italiens, an deren Gründung Carpenè beteiligt war. Sie bildete Generationen von Kellermeistern aus und machte die Gegend zu einem Zentrum für Weinwissen. Die Weine dieser Zeit sahen anders aus als heutiger Prosecco. Viele gärten in der Flasche nach und kamen mit ihrer Hefe ins Glas. Diese Tradition lebt im Prosecco Sui Lieviti weiter, früher Col Fondo genannt, der mit dem Hefesatz in der Flasche bleibt.
Tankgärung: die Technik hinter dem Prosecco-Erfolg
Der technische Durchbruch kam aus dem Piemont und aus Frankreich. 1895 meldete Federico Martinotti aus Asti ein Patent für die zweite Gärung im großen Drucktank an, 1907 verbesserte und patentierte Eugène Charmat das Verfahren. In Italien heißt es deshalb Metodo Martinotti, anderswo meist Charmat-Methode. Der Wein gärt dabei nicht in Millionen einzelner Flaschen, sondern in Stahltanks unter Druck und wird danach gefiltert und abgefüllt.
Für die Glera, die Prosecco-Traube, passt das gut. Sie duftet nach Birne, Apfel und weißen Blüten, und diese Frucht soll im Glas ankommen. Ein langes Hefelager wie beim Champagner würde sie mit Brot- und Briochetönen überdecken. Die Tankgärung ist schneller, braucht weniger Handarbeit und erlaubt große, gleichmäßige Mengen. Damit lag die Grundlage für einen Massenmarkt bereit, Jahrzehnte bevor er tatsächlich kam.
Prosecco 2009: die Reform, die den Namen zur Herkunft machte
Lange war Prosecco eine regionale Spezialität. Eine Übersicht aus dem Jahr 2008 zeigt das deutlich: Von der damaligen Prosecco-Erzeugung mit und ohne DOC stammten 90,4 Prozent aus der Provinz Treviso. Die Hügel um Conegliano und Valdobbiadene hatten seit 1969 eine eigene DOC. Gleichzeitig hieß aber auch die Rebsorte Prosecco, und Reben dieses Namens konnte man überall auf der Welt pflanzen.
Das Ministerialdekret vom 17. Juli 2009, wirksam ab dem 1. Januar 2010, änderte das. Die Rebsorte heißt seitdem Glera, und Prosecco ist nur noch eine geschützte Herkunft. Die neue DOC Prosecco umfasst neun Provinzen in Venetien und Friaul-Julisch Venetien, darunter Triest mit dem Dorf Prosecco. Die alten Hügel wurden zur DOCG Conegliano Valdobbiadene aufgewertet. Erst dieser Schutz erlaubte die riesige Ausweitung der Menge, ohne dass Erzeuger anderswo den Namen nutzen durften.
Vom Spritz bis zum Rosé: der Prosecco-Boom seit 2000
Der Exporterfolg begann schon vor der Reform. Um das Jahr 2000 brachte die Kellerei Mionetto Prosecco in den US-amerikanischen Massenmarkt. Prosecco war fruchtig, unkompliziert und als Extra Dry oft weich im Geschmack, also leicht zugänglich auch für Menschen, denen Champagner zu herb war. Dazu kam die Beliebtheit von Mischgetränken wie dem Spritz, für den häufig Prosecco verwendet wird.
Die Zahlen zeigen die Dimension. 2025 verkaufte die DOC Prosecco 667 Millionen Flaschen, mehr als 82 Prozent gingen in den Export, in 164 Länder, mit den USA als größtem Markt. Seit 2020 gibt es Prosecco DOC Rosé mit 10 bis 15 Prozent Pinot Nero, 2025 waren das bereits 60,4 Millionen Flaschen. 2019 wurden die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene UNESCO-Welterbe. Aus einer Hügelgegend bei Treviso ist so eine Weltmarke geworden, die die Champagne in der Menge weit übertrifft.