
Champagner gegen Sekt
Ist Champagner immer besser als Sekt?
Nein, Champagner ist nicht automatisch besser als Sekt. Er muss strengere Regeln erfüllen, etwa Flaschengärung und 15 Monate Reife, doch ein sorgfältig gemachter Winzersekt, Crémant oder Cava Gran Reserva kann ihm ebenbürtig sein. Entscheidend sind Trauben, Methode, Hefelager und Erzeuger.
Champagner und Sekt: Was die Regeln vorschreiben
Die Champagne hat eines der strengsten Regelwerke für Schaumwein. Jeder Champagner entsteht durch Gärung in der Flasche, die Trauben stammen aus der abgegrenzten Appellation, und die Pressung ist begrenzt: Aus 4.000 Kilogramm Trauben dürfen höchstens 2.550 Liter Most gewonnen werden. Ohne Jahrgang muss ein Champagner ab der Füllung zur zweiten Gärung mindestens 15 Monate reifen, davon 12 Monate ununterbrochen auf der Hefe. Ein Jahrgangschampagner braucht mindestens 36 Monate.
Sekt beschreibt zunächst nur eine Qualitätsstufe, nämlich Qualitätsschaumwein mit mindestens 3,5 bar Überdruck. Er darf im Drucktank vergoren werden, wo eine Herstellungsdauer von sechs Monaten und 90 Tage Kontakt mit der Hefe genügen. Auch die Herkunft der Grundweine ist bei einfachem Sekt offen. Vergleicht man einen günstigen Markensekt aus dem Tank mit einem Champagner, ist der Abstand also groß. Über die Spitze des deutschen Sekts sagt dieser Vergleich aber wenig.
Wo Winzersekt, Crémant und Cava gleichziehen
Am oberen Ende arbeiten viele deutsche Erzeuger nach denselben Prinzipien wie die Champagne. Winzersekt etwa muss per Gesetz aus Trauben des eigenen Betriebs stammen, der auch den Grundwein bereitet, in traditioneller Flaschengärung entstehen und mindestens neun Monate auf der Hefe liegen. Rebsorte und Jahrgang stehen auf dem Etikett. Viele Weingüter und Sekthäuser lassen ihre besten Cuvées freiwillig deutlich länger reifen, oft mehrere Jahre.
Auch andere Länder haben strenge Stufen geschaffen. Österreichs Sekt g.U. Große Reserve verlangt 30 Monate auf der Hefe, Cava Gran Reserva ebenfalls 30 Monate, Franciacorta ohne Jahrgang 18 Monate. Diese Mindestwerte liegen über den 12 Monaten Hefelager, die ein Champagner ohne Jahrgang erfüllen muss. Bei den Rebsorten gibt es Überschneidungen: Spätburgunder, der Pinot noir der Champagne, und Chardonnay wachsen auch in Deutschland. Dazu kommt Riesling, den die Champagne nicht anbaut und der deutschem Sekt eine eigene, säurebetonte Handschrift gibt.
Woran erkennt man einen guten Schaumwein?
Ob ein Schaumwein gut ist, hängt weniger am Namen als an einigen Stellschrauben. Am Anfang stehen die Trauben: Reife, Säure und Lage bestimmen, wie fein und spannungsvoll der Grundwein wird. Dann kommt die Methode. Flaschengärung mit langem Hefelager bringt Aromen von Brioche und Nuss und ein cremiges Mundgefühl, weil abgestorbene Hefezellen sich langsam zersetzen und dabei Stoffe an den Wein abgeben. Fachleute sprechen von Autolyse.
Dazu kommt die Dosage, also die Zuckermenge, die nach dem Degorgieren zugegeben wird. Ein lange gereifter Brut Nature verzeiht wenig, weil kein Zucker kleine Schwächen überdeckt. Am Ende zählt der Erzeuger. In der Champagne gibt es große Häuser, Genossenschaften und Winzer, die eigene Trauben verarbeiten, und auch dort ist die Spanne der Qualität breit. Ein einfacher Champagner kann im Vergleich mit einem langgereiften Winzersekt aus einer guten Lage durchaus unterliegen.
Welche Unterschiede bleiben zwischen Champagner und Sekt?
Champagner hat Eigenheiten, die anderswo schwer zu kopieren sind. Das kühle Klima, Kalkböden und eine lange Tradition der Assemblage prägen einen wiedererkennbaren Stil. Assemblage heißt, Weine aus vielen Gemeinden, Rebsorten und Jahrgängen zu mischen, oft mit älteren Reserveweinen, damit der Stil eines Hauses über die Jahre gleich bleibt. Grand Cru bezeichnet in der Champagne übrigens ganze Gemeinden, 17 an der Zahl, und keine einzelnen Lagen.
Ob man diesen Stil einem Sekt aus Riesling oder einem Cava aus Xarel·lo vorzieht, ist eine Frage des Geschmacks und keine Rangfolge. Wer vergleichen will, achtet auf das Etikett: „traditionelle Flaschengärung“, Jahrgang, Angaben zum Hefelager und die Süßestufe verraten mehr als die Herkunftsbezeichnung allein. Das Kapitel zu Sekt, Champagner und Prosecco ordnet die Begriffe im Detail.