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Wurde die Sektschale nach einer Brust geformt?

Legende der Sektschale

Wurde die Sektschale nach einer Brust geformt?

Nein, die Sektschale wurde nicht nach der Brust von Marie Antoinette geformt. Die flache Schale wird meist auf das England des 17. Jahrhunderts datiert, lange vor ihrer Geburt 1755. Echt sind dagegen Porzellanschalen in Brustform, die Ende der 1780er-Jahre für ihre Meierei in Rambouillet entstanden.

Sektschale und Marie Antoinette: Was die Legende erzählt

Die Geschichte wird gern beim Anstoßen erzählt. Die breite, flache Sektschale, im Englischen und Französischen coupe genannt, sei der Brust einer berühmten Frau nachgebildet. Meist fällt der Name Marie Antoinette, Königin von Frankreich. In anderen Fassungen ist es Madame de Pompadour, die Mätresse Ludwigs XV., oder gleich Helena von Troja aus der griechischen Sage. Der Reiz der Anekdote liegt darin, dass sie Glas, Champagner und Hofleben in einem einzigen Bild verbindet.

Belegt ist davon nichts. Für die Fassung mit Helena fehlt naturgemäß jede historische Grundlage, und für die beiden französischen Damen gibt es keine Quelle, die eine solche Glasform beschreibt. Schon dass die Legende sich je nach Erzähler eine andere Frau aussucht, spricht für sich. Sie haftet an berühmten Namen, nicht an Dokumenten.

Woher stammt die Sektschale wirklich?

Die flache Schalenform wird meist auf das England des 17. Jahrhunderts datiert; häufig genannt wird das Jahr 1663. Damit war sie rund hundert Jahre vor der Geburt Marie Antoinettes im Jahr 1755 bekannt und auch älter als Madame de Pompadour, die 1721 zur Welt kam. Die Schale diente im 18. und 19. Jahrhundert als Trinkgefäß für süße Weine und später für Champagner, der damals meist deutlich süßer getrunken wurde als heute.

Ihre große Zeit erlebte die Sektschale im 20. Jahrhundert, in den Tanzsälen der 1920er-Jahre und auf Filmbildern mit Champagnerpyramiden, bei denen der Wein über gestapelte Schalen nach unten fließt. Danach setzten sich schmalere Gläser durch. Ganz verschwunden ist die Schale nie, und in Bars taucht sie heute wieder auf, vor allem für Cocktails.

Was an der Geschichte mit Marie Antoinette stimmt

Einen wahren Kern hat die Legende trotzdem. Für Marie Antoinette entstand Ende der 1780er-Jahre in Rambouillet bei Paris eine Meierei, eine kleine Schau-Molkerei, in der die Königin und ihre Gäste frische Milch und Milchspeisen genossen. Die Porzellanmanufaktur Sèvres lieferte dafür ein Service. Dazu gehörten Trinkschalen, die eine weibliche Brust nachbilden, getragen von einem Fuß mit drei Ziegenköpfen. Exemplare davon sind bis heute erhalten.

Diese Schalen waren aber für Milch gedacht, nicht für Champagner, und sie haben mit der gläsernen Sektschale nichts zu tun. Vermutlich hat irgendwann jemand beide Geschichten vermischt: die echte Brustschale aus Porzellan und das beliebte Champagnerglas. Heraus kam eine Anekdote, die sich besser erzählt als die nüchterne Geschichte englischer Glasmacher. Die Idee lebt weiter: 2014 ließ ein Londoner Restaurant eine Champagnerschale nach der Brust des Models Kate Moss anfertigen, als bewusste Anspielung auf die Legende.

Sektschale oder Tulpenglas: Was passt besser zu Schaumwein?

Für Schaumwein, wie er heute getrunken wird, hat die Schale Nachteile. Ihre große, offene Oberfläche lässt die Kohlensäure rasch entweichen, und die Aromen verfliegen, statt sich über dem Wein zu sammeln. Wer mit ihr durch einen vollen Raum geht, verschüttet leicht etwas. Die schlanke Flöte hält die Perlage länger, gibt aber den Aromen wenig Raum.

Viele Sommeliers und auch Häuser in der Champagne greifen deshalb zu einem Tulpenglas oder einem schlanken Weißweinglas: bauchig genug für den Duft und nach oben verjüngt, damit Aromen und Kohlensäure nicht sofort entweichen. Für einen lange gereiften Champagner oder Winzersekt mit Noten von Hefe und Nuss ist das die bessere Wahl. Die Schale bleibt ein Glas für Stil und Nostalgie. Welche Gläser sich im Einzelnen eignen, erklärt das Kapitel zu Weingläsern.

Kurz unterschieden

Sektschale
Flache, weite Schale, meist auf das 17. Jahrhundert datiert; Kohlensäure und Duft entweichen schnell.
Sektflöte
Schlank und hoch; hält die Perlage lange, gibt den Aromen aber wenig Raum.
Tulpenglas
Bauchig mit verjüngtem Rand; bündelt den Duft und bremst den Verlust der Kohlensäure.
Bol sein (Sèvres)
Porzellanschale in Brustform für Marie Antoinettes Meierei in Rambouillet, gedacht für Milch, nicht für Champagner.

Dazu im Lexikon

Weingläser: welches Glas wofürSchaumwein richtig servierenChampagner: Herkunft und Regeln
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