
Alte und neue Sorten
Arbane, Petit Meslier, Erbamat, Voltis: seltene Schaumweinsorten
Arbane und Petit Meslier sind alte Champagnersorten, die auf winzigen Flächen überlebt haben. Erbamat ist eine wiederentdeckte Traube der Franciacorta, Voltis eine neue pilzwiderstandsfähige Züchtung. Alle vier sollen dem Schaumwein helfen, mit Hitze und Pflanzenschutz besser zurechtzukommen.
Arbane und Petit Meslier: die alten Champagnersorten
Vor der Reblauskrise wuchsen in der Champagne deutlich mehr Sorten als heute. Arbane und Petit Meslier gehören zu den wenigen, die das Regelwerk bis heute erlaubt. Zusammen mit Pinot blanc und Pinot gris stehen diese vier alten Sorten laut Champagne-Büro auf weniger als 0,3 Prozent der Fläche. Arbane findet man vor allem im Süden, an der Côte des Bar im Département Aube. Ihr Anbau ist heute eher Liebhaberei als Wirtschaftsfaktor.
Petit Meslier ist nach DNA-Analysen ein Nachkomme von Gouais blanc und Savagnin. Die Sorte reift spät und behält auch in warmen Jahren viel Säure; Arbane gilt ebenfalls als säurebetont. Beide tragen wenig, sind anfällig für Fäulnis und reifen ungleichmäßig, deshalb wurden sie beim Neuaufbau nach der Reblaus kaum wieder gepflanzt. Heute pflegen einzelne Erzeuger sie bewusst und füllen Cuvées ab, in denen alle alten und gängigen Sorten stecken. Mit wärmeren Sommern wird ihre Säure wieder interessant.
Pinot blanc, Pinot gris und Chardonnay rose in der Champagne
Auch Pinot blanc und Pinot gris sind in der Champagne zugelassen, aber selten. Pinot blanc heißt in der Aube traditionell Blanc vrai, Pinot gris trug in der Region den alten Namen Fromenteau. Beide reifen früher als Arbane und Petit Meslier und bringen eher Fülle als Säure. In Champagnern tauchen sie meist nur als kleiner Anteil auf, gelegentlich als Grundlage einer Spezialcuvée. Auf Etiketten tauchen ihre Namen deshalb kaum auf.
Chardonnay rose ist keine eigenständige Sorte im engeren Sinn. Er ist eine Spielart des Chardonnay mit rosa gefärbter Beerenhaut, die beim schnellen Pressen kaum Farbe abgibt. Das Regelwerk führt ihn gesondert, seine Fläche ist klein. Die lange Liste zeigt vor allem eines: Das Bild vom Champagner aus drei Sorten ist eine Gewohnheit der vergangenen gut hundert Jahre, keine Vorschrift. Wer will, darf im Rahmen der Appellation deutlich bunter mischen.
Erbamat: Franciacortas Antwort auf die Hitze
In der Franciacorta am Iseosee setzt man auf eine Sorte aus der eigenen Geschichte. Erbamat stammt aus der Provinz Brescia und wird laut Fachpresse schon im 16. Jahrhundert erwähnt, geriet dann aber fast in Vergessenheit. Seit 2017 ist sie in Franciacorta-Cuvées zugelassen, mit höchstens zehn Prozent. Eine Pflicht ist sie nicht; jeder Erzeuger entscheidet selbst, ob er sie pflanzt.
Was sie interessant macht, ist ihr Kalender. Erbamat reift laut Fachpresse mehr als einen Monat nach Chardonnay und den Pinot-Sorten. Sie hat deutlich mehr Säure, wenig Alkohol und ein neutrales Aroma. Damit ergänzt sie Grundweine, die in heißen Sommern zu schnell zu reif werden, ohne deren Geschmack zu verändern. Als Ersatz für Chardonnay und Pinot nero ist sie nicht gedacht, sondern als Säurespender in der Cuvée, ähnlich wie Petit Meslier in der Champagne. Ob sich das bewährt, zeigen erst die kommenden Jahrgänge.
Voltis, Serelis, Orellis: neue Sorten gegen Mehltau
Voltis verfolgt ein anderes Ziel. Die weiße Sorte ist eine Neuzüchtung, laut Fachpresse entwickelt vom französischen Agrarforschungsinstitut INRAE zusammen mit dem deutschen Julius Kühn-Institut. Über mehrere Generationen wurden europäische Edelreben mit widerstandsfähigen Wildarten gekreuzt. Das Ergebnis widersteht dem Falschen und dem Echten Mehltau, zwei Pilzkrankheiten, gegen die Winzer im feuchten Norden sonst häufig spritzen müssen.
Seit 2022 ist Voltis in der Champagne als Sorte zur Anpassung an das Klima zugelassen. Die Grenzen sind eng: höchstens fünf Prozent der Rebfläche eines Betriebs, höchstens zehn Prozent einer Cuvée, kein Champagner nur aus Voltis. Am 18. Juni 2026 billigte das zuständige Gremium der Herkunftsbehörde INAO zwei weitere Kandidaten, Serelis und Orellis; die förmliche Bestätigung stand danach noch aus. Ob die neuen Sorten den Geschmack verändern, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.