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VDP.Sekt und VDP.Sekt.Prestige: die Spitze des deutschen Sekts

Die strengste Stufe

VDP.Sekt und VDP.Sekt.Prestige: die Spitze des deutschen Sekts

VDP.Sekt ist die Sektstufe des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter: eigene Trauben, Handlese, Ganztraubenpressung, traditionelle Flaschengärung und mindestens 15 Monate auf der Hefe, mit Jahrgang 24 Monate. VDP.Sekt.Prestige verlangt mindestens 36 Monate und eine Prüfung durch eine nationale Kommission.

Was ist VDP.Sekt?

Auf den Flaschen mancher deutscher Spitzenweingüter sitzt ein Adler mit Traube. Er steht für den Verband Deutscher Prädikatsweingüter, kurz VDP, einen Zusammenschluss bekannter Weingüter, der seit Jahrzehnten eigene, strengere Regeln für Wein aufstellt als das Gesetz. Mit dem VDP.Sekt.Statut hat der Verband diese Idee Anfang der 2020er-Jahre auf Sekt übertragen.

Wichtig ist die Einordnung. VDP.Sekt ist keine gesetzliche Kategorie wie Sekt b.A. oder Winzersekt, sondern eine Verbandsregel. Sie gilt nur für Mitgliedsbetriebe, und nur diese dürfen sie auf das Etikett schreiben. Rechtlich bleibt ein VDP.Sekt ein deutscher Qualitätsschaumwein, für den alle gesetzlichen Regeln gelten. Nennt er Rebsorte und Jahrgang, kann er zugleich Winzersekt sein. Die Verbandsregel setzt obendrauf, was das Gesetz offenlässt: vor allem eine deutlich längere Zeit auf der Hefe.

Was verlangt das VDP.Sekt.Statut?

Die Regeln beginnen im Weinberg. Die Trauben müssen von Hand gelesen werden und aus eigenen Weinbergen stammen. Zugekaufter Grundwein ist ausgeschlossen. Im Keller ist die Ganztraubenpressung Pflicht. Dabei kommen die Trauben unzerkleinert in die Presse, der Saft läuft langsam und mit wenig Gerbstoff aus den Schalen ab. Das ergibt einen klaren, feinen Grundwein, wie ihn Sekt braucht.

Danach folgt die traditionelle Flaschengärung. Ein VDP.Sekt ohne Jahrgang muss mindestens 15 Monate auf der Hefe liegen, ein Jahrgangssekt mindestens 24 Monate. Bevor er verkauft werden darf, prüft eine regionale Fachkommission des Verbands die Qualität. Wie viel Zucker die Versanddosage enthalten darf, also die Mischung, die nach dem Entfernen der Hefe den Geschmack einstellt, legt das Statut laut Verbandsseite nicht fest.

VDP.Sekt.Prestige: 36 Monate auf der Hefe

Die obere Stufe heißt VDP.Sekt.Prestige. Sie verlangt mindestens 36 Monate auf der Hefe, also drei Jahre zwischen Füllung und Degorgieren. In dieser Zeit zerfallen die abgestorbenen Hefezellen langsam. Fachleute nennen das Autolyse. Dabei gehen Stoffe in den Wein über, die nach Brioche, Brot und gerösteten Nüssen duften und den Schaum cremiger wirken lassen.

Statt einer regionalen prüft hier eine nationale Kommission des Verbands. Ein Prestige-Sekt kommt also frühestens gut drei Jahre nach der Tirage, der Füllung zur zweiten Gärung, in den Handel, meist deutlich später. Für die Betriebe bindet das Lagerplatz und Kapital über Jahre. Deshalb sind diese Sekte selten und werden oft in kleinen Mengen gefüllt.

Wie lange liegt Sekt auf der Hefe? VDP, Winzersekt und Champagner im Vergleich

Die Zahlen zeigen, wo VDP.Sekt steht. Das Gesetz verlangt für Winzersekt und jede traditionelle Flaschengärung mindestens neun Monate auf der Hefe. Ein Champagner ohne Jahrgang braucht 15 Monate ab der Tirage bis zum Verkauf, davon mindestens 12 auf der Hefe, ein Jahrgangschampagner 36 Monate. Ein VDP.Sekt ohne Jahrgang liegt mit 15 Monaten also länger auf der Hefe, als es die Mindestregel der Champagne vorschreibt.

In Österreich verlangt der Sekt g.U. Reserve 18 Monate, die Große Reserve 30 Monate. VDP.Sekt.Prestige liegt mit 36 Monaten darüber. Lange Hefezeit allein macht noch keinen großen Sekt, der Grundwein muss sie tragen können. Riesling bringt dafür seine kräftige Säure mit, Spätburgunder und Chardonnay Struktur und Fülle. Mindestzeiten sind Untergrenzen, viele Spitzenerzeuger lassen ihre Sekte freiwillig noch länger reifen.

Im Regal hilft ein Blick auf zwei Dinge. Erstens auf die Bezeichnung selbst: VDP.Sekt oder VDP.Sekt.Prestige darf nur ein Mitgliedsbetrieb verwenden, meist zusammen mit dem Adler des Verbands. Zweitens auf das Degorgierdatum, das manche Weingüter freiwillig auf das Rückenetikett drucken. Es zeigt, wann die Hefe entfernt wurde. Liegen zwischen Jahrgang und Degorgieren mehrere Jahre, hat der Sekt lange auf der Hefe gereift. Nach dem Degorgieren verändert er sich weiter, nun aber ohne Hefe, langsamer und mehr in Richtung reifer, nussiger Töne. Ob man frisch degorgierte oder länger nachgereifte Flaschen bevorzugt, ist Geschmackssache.

Kurz unterschieden

VDP.Sekt
Verbandsregel: eigene Trauben, Handlese, Ganztraubenpressung, mindestens 15 Monate Hefe, mit Jahrgang 24; regionale Prüfung.
VDP.Sekt.Prestige
Mindestens 36 Monate auf der Hefe, geprüft von einer nationalen Kommission des VDP.
Winzersekt
Gesetzliche Stufe: eigene Trauben, traditionelle Flaschengärung, aber nur mindestens 9 Monate auf der Hefe.
Champagner
Ohne Jahrgang 15 Monate bis zum Verkauf, davon mindestens 12 auf der Hefe; Jahrgang 36 Monate.

Dazu im Lexikon

Flaschengärung erklärtSpätburgunderChardonnayRiesling
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