
Sekt vom Weingut
Was ist Winzersekt? Regeln, Herstellung, Unterschied zu Sekt
Winzersekt ist ein Sekt b.A., dessen Trauben aus dem eigenen Weingut stammen, das auch den Grundwein bereitet. Er muss in traditioneller Flaschengärung mindestens neun Monate auf der Hefe liegen, Rebsorte und Jahrgang nennen und vom Hersteller verkauft werden. So regelt es § 34a der Weinverordnung.
Winzersekt: die vier Bedingungen der Weinverordnung
Im Weinregal stehen Flaschen mit der Aufschrift Winzersekt oft neben Markensekt, der ein Drittel kostet. Der Unterschied ist gesetzlich festgelegt. Paragraf 34a Absatz 3 der deutschen Weinverordnung erlaubt den Begriff nur für Sekt b.A., also Sekt aus einem der 13 deutschen Anbaugebiete mit amtlicher Prüfnummer. Dazu kommen vier Bedingungen.
Erstens muss der Grundwein qualitätsweinfähig sein und aus Trauben desselben Weinbaubetriebs stammen, der auch den Wein bereitet. Eine Erzeugergemeinschaft darf Trauben ihrer Mitgliedsbetriebe verwenden. Zweitens ist traditionelle Flaschengärung Pflicht, also mindestens neun Monate ununterbrochen auf dem Hefesatz im selben Betrieb und danach Degorgieren, das Entfernen der Hefe aus derselben Flasche. Drittens nennt das Etikett den Weinbaubetrieb oder die Erzeugergemeinschaft, die Rebsorte und den Jahrgang. Viertens verkauft der Hersteller den Sekt selbst, in der Sektflasche mit Pilzkorken und Agraffe, dem Drahtkörbchen.
Macht der Winzer seinen Winzersekt selbst?
Hier liegt der häufigste Irrtum. Das Gesetz verlangt, dass Trauben und Weinbereitung aus dem eigenen Betrieb kommen. Dass der Winzer die Flaschen selbst rüttelt und degorgiert, steht so nicht im Wortlaut. Die zweite Gärung ist aufwendig, sie braucht Geräte, Platz und viel Erfahrung. Viele Weingüter geben ihren Grundwein deshalb an spezialisierte Betriebe, die den Sekt in Lohnarbeit herstellen. Man spricht von Lohnversektung.
Für die Abgabe an einen anderen Hersteller braucht es nach Paragraf 18 der Weinverordnung eine Genehmigung der zuständigen Landesstelle. Wie diese Ausnahme im Einzelnen mit den Winzersekt-Regeln zusammenspielt, ist juristisch fein verästelt. Für Käufer zählt: Der Wein im Winzersekt stammt verlässlich aus dem genannten Weingut, die Kellerarbeit danach kann bei einem Dienstleister stattgefunden haben. Andere Betriebe versekten bewusst im eigenen Keller und schreiben das dann gern dazu.
Unterschied zwischen Winzersekt, Sekt b.A. und Markensekt
Ein Sekt b.A. aus der Pfalz darf aus Trauben vieler Betriebe gemischt und im Drucktank vergoren sein. Ein Markensekt ohne weitere Angabe darf sogar Grundwein aus anderen EU-Ländern enthalten. Winzersekt schließt beides aus. Er verbindet die Herkunft aus einem Weingut mit der aufwendigsten Methode und mit der Pflicht, Rebsorte und Jahrgang zu nennen.
Ein Mindestlager über neun Monate hinaus schreibt das Gesetz nicht vor. Viele Winzersekte liegen trotzdem deutlich länger auf der Hefe, weil die abgestorbenen Hefezellen beim langsamen Zerfall Aromen von Brot, Brioche und Nuss abgeben und den Schaum feiner machen. Auch die Süße ist frei wählbar. Winzersekt gibt es als Brut Nature ohne Zuckerzusatz ebenso wie halbtrocken. Wer einen trockenen Stil sucht, achtet auf Brut oder Extra Brut statt auf das Wort trocken, das beim Sekt 17 bis 32 Gramm Zucker je Liter bedeutet.
Wie ist die Winzersekt-Szene entstanden?
Lange war Sekt in Deutschland das Geschäft großer Kellereien. Laut Wikipedia gab es 1985 weniger als 100 Sekterzeuger, 2004 schon rund 1.300, die meisten davon Weingüter mit weniger als 10.000 Flaschen im Jahr. Das sind ältere Zahlen, die Richtung ist aber klar. Viele Winzer erkannten seit den späten 1980er-Jahren, dass ihre säurebetonten Grundweine aus Riesling oder den Burgundersorten sich hervorragend zum Versekten eignen.
Heute reicht das Spektrum vom einfachen Rieslingsekt eines Familienweinguts bis zu Spitzensekten, die jahrelang auf der Hefe reifen und sich mit Champagner messen. Einige Betriebe haben sich ganz auf Sekt spezialisiert und nennen sich Sektgut oder Sekthaus. Für die besten Weingüter des Verbands der Prädikatsweingüter gibt es mit VDP.Sekt seit einigen Jahren eine eigene, strengere Stufe, die die nächste Station erklärt.