
Sekt nach Gebieten
Wo kommt deutscher Sekt her? Rheingau, Pfalz, Mosel, Saale-Unstrut
Deutscher Sekt kann aus allen 13 Anbaugebieten kommen. Die großen Kellereien sitzen vor allem am Rhein, in der Pfalz, an der Mosel, an der Unstrut, in Württemberg und Baden. Wo eine Kellerei steht, sagt aber nichts über die Trauben: Das verrät erst die Herkunftsangabe auf dem Etikett.
Sitz der Kellerei oder Herkunft der Trauben?
Fragt man nach der Herkunft eines Sekts, muss man zwei Orte auseinanderhalten. Der eine ist der Sitz der Kellerei, in der die zweite Gärung stattfindet. Der andere ist der Weinberg, aus dem die Trauben stammen. Bei einem Markensekt können beide weit auseinanderliegen: Eine Kellerei in Wiesbaden darf Grundwein aus anderen EU-Ländern versekten.
Erst die Stufen Deutscher Sekt und Sekt b.A. binden die Trauben an Deutschland beziehungsweise an ein einzelnes Anbaugebiet. Die 13 Gebiete sind Ahr, Baden, Franken, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen, Saale-Unstrut, Sachsen und Württemberg. In jedem davon entsteht Sekt b.A., doch einige Gebiete haben eine besonders lange Sekttradition oder ein eigenes Profil.
Sekt aus Rheingau und Rheinhessen: die Wiege am Rhein
Zwischen Mainz und Wiesbaden entstand im 19. Jahrhundert das Zentrum der deutschen Sektherstellung. Henkell in Wiesbaden-Biebrich, Söhnlein in Schierstein, Matheus Müller in Eltville und Kupferberg in Mainz liegen nur wenige Kilometer auseinander. Sie nutzten den Fluss für den Versand und die Weinberge ringsum als Quelle für Grundwein.
Der Rheingau steht dabei vor allem für Riesling. Seine frische Säure ist für Sekt ein Vorteil, denn sie hält den Schaumwein lebendig und verträgt eine lange Zeit auf der Hefe. Rheinhessen, das größte deutsche Anbaugebiet, liefert große Mengen Grundwein aus vielen Sorten, von Riesling über Silvaner bis zu den Burgundersorten. Heute machen in beiden Gebieten auch zahlreiche Weingüter eigenen Winzersekt.
Pfalz und Mosel: Riesling-Sekt aus Süden und Steilhang
In der Pfalz begann 1888 in Wachenheim die Geschichte der heutigen Schloss Wachenheim AG. Das Gebiet ist warm und trocken, neben Riesling wachsen hier viel Weißburgunder, Spätburgunder und Chardonnay. Pfälzer Sekt fällt daher oft etwas fülliger aus, mit reifer Frucht. Viele Spitzenweingüter der Pfalz haben inzwischen eigene Sektlinien, teils mit jahrelanger Hefezeit.
An der Mosel liegt das Gegenstück. Die steilen Schieferhänge bringen schlanke, säurebetonte Rieslinge hervor, die sich zum Versekten eignen. In Trier war die Sektkellerei Faber zu Hause, bevor sie 1996 mit Schloss Wachenheim fusionierte, und die traditionsreiche Marke Deinhard hat ihren Sitz heute in Bernkastel-Kues. Kommen die Trauben eines Sekt b.A. von Hängen mit mindestens 30 Prozent Neigung, darf Steillage auf dem Etikett stehen.
Saale-Unstrut, Sachsen, Württemberg, Baden: Sekt im Osten und Süden
Im Norden des Weinbaus, an Saale und Unstrut, liegt Freyburg mit der Kellerei Rotkäppchen. Das Gebiet ist klein und kühl, seine Weine haben viel Säure und wenig Alkohol, eine gute Grundlage für Sekt. Auch in Sachsen rund um Dresden und Radebeul wird seit langer Zeit Sekt gemacht, die Mengen sind dort aber gering.
Im Süden prägen zwei Kellereien das Bild. Kessler in Esslingen am Neckar ist die älteste bestehende Sektkellerei Deutschlands, Württemberg liefert dazu Grundwein aus Riesling, Lemberger und Schwarzriesling, das auch Pinot Meunier heißt und in der Champagne eine Hauptsorte ist. Geldermann sitzt in Breisach am Kaiserstuhl in Baden, wo Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder dominieren. Franken hat mit dem Bocksbeutel eine eigene Flaschenform, die auch Sekt tragen darf. Mehr dazu in Station 7.
Auch die kleinen Gebiete haben ihre Sekte. An der Ahr, bekannt für Spätburgunder, entstehen Blanc de Noirs, also weiß gekelterte Sekte aus roten Trauben. An der Nahe und am Mittelrhein liefern Riesling und Weißburgunder säurebetonte Grundweine, an der Hessischen Bergstraße ebenfalls vor allem Riesling. Für Käufer zählt am Ende weniger der Ruf eines Gebiets als die Angaben auf der Flasche: Sekt b.A. mit Gebietsname, Methode und, wenn vorhanden, Rebsorte und Jahrgang. Wer diese Zeilen liest, weiß, woher der Sekt wirklich kommt.