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Alkoholfreier Sekt: Wie er gemacht wird und was er kann
Alkoholfreier Sekt entsteht meist aus fertig vergorenem Wein, dem man den Alkohol schonend entzieht und danach Kohlensäure zusetzt. Nach EU-Recht heißt er entalkoholisiert, wenn höchstens 0,5 % vol übrig sind. Liegt der Wert darüber, aber unter dem Mindestalkohol der Kategorie, gilt er als teilweise entalkoholisiert.
Was ist alkoholfreier Sekt? Die Regeln seit 2021
Lange war entalkoholisierter Wein im EU-Weinrecht kaum geregelt. Das änderte die Verordnung (EU) 2021/2117, die Teil der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik war und die Weinmarktordnung 1308/2013 ergänzte. Seither dürfen auch Schaumwein und Qualitätsschaumwein entalkoholisiert werden. Die Grenzen sind klar. Bis 0,5 % vol Alkohol heißt das Erzeugnis entalkoholisiert, darüber bis unter den Mindestwert der jeweiligen Kategorie teilweise entalkoholisiert.
Auf der Schauseite vieler Flaschen steht schlicht alkoholfreier Sekt. Genauer wird es in der Bezeichnung auf dem Etikett, etwa entalkoholisierter Schaumwein mit zugesetzter Kohlensäure. Daran erkennt man, dass die Perlen nicht aus einer Gärung in der Flasche stammen. Vorsicht bei Begriffen wie 0,0: Alkoholfrei mit bis zu 0,5 % vol ist nicht dasselbe wie völlig ohne Alkohol. Wer Alkohol ganz meiden muss, etwa in der Schwangerschaft oder wegen Medikamenten, achtet auf die genaue Angabe.
Wie wird alkoholfreier Sekt hergestellt?
Am Anfang steht ein ganz normaler Wein. Er gärt wie jeder andere, denn erst durch die Gärung entstehen viele der Aromen, die Wein von Traubensaft unterscheiden. Danach wird der Alkohol entfernt. Zugelassen sind nach EU-Recht nur physikalische Verfahren: teilweise Vakuumverdampfung, Membranverfahren und Destillation. Chemische Tricks oder das Abbrechen der Gärung führen nicht zu entalkoholisiertem Wein.
Bei der Vakuumdestillation siedet der Alkohol unter vermindertem Druck schon bei niedriger Temperatur, der Wein wird also nicht gekocht. Membranverfahren wie die Umkehrosmose trennen Alkohol und Wasser durch feine Filter vom Rest. Dabei gehen flüchtige Aromen verloren. Viele Kellereien fangen sie auf und geben sie dem Wein wieder zu. Zum Schluss wird Kohlensäure zugesetzt, denn eine zweite Gärung würde wieder Alkohol bilden. Bei teilweise entalkoholisiertem Schaumwein bleibt die Zweitgärung erlaubt.
Wie schmeckt alkoholfreier Sekt – und warum oft süßer?
Alkohol trägt im Wein mehr, als man denkt. Er gibt Körper, rundet die Säure ab und hilft, Duftstoffe aus dem Glas zu heben. Fehlt er, wirkt ein Schaumwein schlanker, die Säure tritt hervor, und der Abgang wird kürzer. Viele Hersteller gleichen das mit Süße aus. Darum schmecken viele alkoholfreie Sekte deutlich süßer als ein Brut, auch wenn das Etikett anders klingt.
Auch die Perlage unterscheidet sich. Zugesetzte Kohlensäure bindet sich nicht so fein wie Gas, das monatelang mit der Hefe in der Flasche gereift ist. Die Bläschen wirken oft größer und verfliegen schneller. Gut gekühlt serviert, im Weißweinglas statt in der Flöte, kommt das Wenige an Duft besser zur Geltung. Weniger Kalorien als ein normaler Sekt hat er meist, weil Alkohol viel Energie liefert, der Zucker kann einen Teil davon aber wieder ausgleichen.
Alkoholfreier Sekt in Zahlen und im Vergleich
Der Markt wächst. Laut Verband Deutscher Sektkellereien verkauften die deutschen Hersteller von Januar bis November 2025 rund 19,1 Millionen Flaschen alkoholfreier Alternativen, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Beim klassischen Sekt waren es im selben Zeitraum etwa 203 Millionen Flaschen, 4,5 Prozent weniger. Der alkoholfreie Anteil ist also noch klein, er steigt aber Jahr für Jahr.
Nicht alles, was im Regal ähnlich aussieht, ist entalkoholisierter Wein. Daneben stehen Getränke aus Traubensaft mit Kohlensäure, die nie vergoren wurden. Sie schmecken fruchtig und süß, aber nach Traube statt nach Wein. Andere Mischungen verbinden entalkoholisierten Wein mit Tee, Saft oder Aromen. Wer wissen möchte, was in der Flasche ist, liest die Bezeichnung und die Zutatenliste, die bei Wein seit Dezember 2023 Pflicht ist.
Ob alkoholfreier Sekt schmeckt, hängt stark vom Ausgangswein ab. Aromatische Rebsorten wie Muskateller, Sauvignon Blanc oder Riesling bringen so viel Duft mit, dass nach dem Entzug des Alkohols noch genug übrig bleibt. Neutrale Grundweine wirken dagegen schnell leer. Einige Kellereien verschneiden deshalb mehrere Sorten oder setzen auf Rosé, dessen Beerenfrucht die fehlende Fülle besser überdeckt. Ein Vergleich mehrerer Flaschen lohnt sich, die Unterschiede sind größer als bei klassischem Sekt.