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Wie lange hält offener Sekt – und welcher Verschluss hilft?

Zu und kalt

Wie lange hält offener Sekt – und welcher Verschluss hilft?

Offener Sekt hält mit einem dichten Sektverschluss im Kühlschrank meist ein bis zwei Tage gut, ohne Verschluss wird er schnell schal. Messungen aus Reims zeigen: Verschlossene Flaschen verloren in 48 Stunden rund zehn Prozent ihres Drucks, offene die Hälfte.

Was in der offenen Sektflasche passiert

Eine geschlossene Flasche Champagner steht unter etwa 6 bar. Das Gas verteilt sich zwischen dem Wein und dem kleinen Luftraum unter dem Korken, beide stehen im Gleichgewicht. Sobald der Korken fällt, entweicht das Gas aus diesem Raum. Der Wein gibt danach ständig Kohlensäure nach oben ab, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, und verliert dabei seine Spannung.

Gérard Liger-Belair hat das mit seinem Team gemessen und 2021 im Magazin The Conversation beschrieben. Nach dem Ausschenken bis auf einen halben Liter fiel der Druck in der Flasche von 6 auf 4 Atmosphären. Waren nur noch 250 Milliliter übrig, lag er bei 2 Atmosphären. Je leerer die Flasche, desto mehr Raum hat das Gas, und desto mehr Kohlensäure wandert aus dem Wein in diesen Raum.

Welcher Sektverschluss hilft wirklich?

Im selben Versuch lagerten die Flaschen bei 12 °C, verschieden verschlossen. Offene Flaschen verloren in 48 Stunden noch einmal die Hälfte ihres Drucks. Flaschen mit einem dicht schließenden Stopfen oder einem Kronkorken verloren nur rund zehn Prozent. Den Löffel im Flaschenhals haben die Forscher ebenfalls geprüft, er wirkte nicht. Dieser Mythos hat ein eigenes Kapitel in der Themenreise zu Gesundheit und Mythen.

Gut ist ein Sektverschluss mit Bügeln, die unter den Wulst am Flaschenhals greifen. Er hält auch den Druck eines Champagners und lässt sich schnell aufsetzen. Wichtig ist eine weiche Dichtung, die rundum anliegt. Weinpumpen, die Luft absaugen, sind für Stillwein gedacht. Bei Schaumwein senken sie den Druck über dem Wein, und die Kohlensäure entweicht eher schneller. Der alte Korken passt nach dem Öffnen nicht mehr, weil er sich ausgedehnt hat.

Wie lange hält offener Sekt im Kühlschrank?

Kälte ist der zweite Hebel. Kohlendioxid löst sich in kaltem Wein besser, eine verschlossene Flasche im Kühlschrank hält ihre Perlage also länger als eine bei Zimmertemperatur. Am besten steht sie aufrecht und im hinteren Teil, wo die Temperatur am gleichmäßigsten ist. Mit Verschluss schmeckt ein Schaumwein so meist noch ein bis zwei Tage lebendig.

Danach lässt weniger die Kohlensäure nach als der Duft. Sauerstoff im Luftraum greift die frischen Fruchtnoten an, der Wein wirkt matter und mehr nach Apfelschale. Ein Perlwein mit 1 bis 2,5 bar hat von Anfang an weniger Kohlensäure zu verlieren und wirkt deshalb früher flach. Ein kräftiger Schaumwein aus der Flaschengärung mit hohem Druck hält sich unter gleichen Bedingungen oft etwas besser, weil mehr Gas in Reserve ist.

Für den Alltag ergibt sich daraus eine einfache Reihenfolge. Die Flasche kommt nach dem Einschenken sofort wieder zu, nicht erst am Ende des Abends. Sie wandert in den Kühlschrank und nicht zurück in einen Kühler, dessen Eis längst geschmolzen ist. Am nächsten Tag öffnet man sie wieder kalt und ruhig, damit nicht der Rest des Gases im ersten Zischen verpufft. Wer weiß, dass eine Flasche nicht leer wird, greift von Anfang an zu einer halben Flasche mit 0,375 Litern.

Schaler Sekt: Was man noch damit machen kann

Wegschütten muss man einen schal gewordenen Schaumwein nicht. In der Küche ersetzt er trockenen Weißwein, denn seine Säure bleibt erhalten. Ein Risotto bekommt damit eine helle, frische Note, eine Sauce zu Fisch oder Spargel ebenso. Auch für eine Weinschaumcreme wie Zabaione oder Sabayon eignet sich ein trockener Sekt gut.

Beim Kochen verdampft ein großer Teil des Alkohols, aber nicht alles, das hängt von Zeit und Hitze ab. Süße Schaumweine wie ein Demi-Sec oder Asti passen besser in Desserts, etwa als Sud für Pfirsiche oder Beeren. Was bleibt: Eine Flasche, die man nicht leer bekommt, schließt man gleich nach dem Einschenken. Jede Minute ohne Verschluss kostet Kohlensäure, die nicht zurückkommt.

Kurz unterschieden

Champagner
Startet mit rund 6 bar. Mit Bügelverschluss und kalt hält er sich ein bis zwei Tage spürbar frisch.
Perlwein
Nur 1 bis 2,5 bar. Er hat weniger Kohlensäure zu verlieren und wirkt nach dem Öffnen früher flach.
Pét-Nat
Oft unter Kronkorken. Laut Messungen dichtet ein Kronkorken so gut wie ein Stopfen, der alte ist aber verbogen.

Dazu im Lexikon

Schaumwein servieren und aufbewahrenWein richtig lagernSäure im Wein: warum sie frisch hält
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