
Früh gelesen
Grundwein & Cuvée
Früh gelesen, das ist das erste Gebot für den Grundwein im Willamette Valley. Er soll frisch schmecken, wenig Alkohol mitbringen und viel Säure behalten; der Lesetermin liegt deshalb meist vor dem für den stillen Pinot.
Gepresst wird behutsam. Besonders bei Pinot Noir kommt es darauf an, dass der Saft hell bleibt und kaum Farbe und Gerbstoff aus den roten Schalen zieht. Je sanfter der Druck, desto heller und feiner der Most, der in den Tank oder ins Fass läuft.
Wie unterschiedlich ein Grundwein ausgebaut werden kann, zeigt Soter. Beim Jahrgang 2019 des Mineral Springs Brut Rosé gärte der Most nach Angaben des Hauses zu 22 Prozent im Fass und zu 78 Prozent im Edelstahltank. Das Holz gibt dem Wein etwas Breite, der Stahl hält ihn klar und straff.
Die Cuvée entsteht aus mehreren Grundweinen. Ein Jahrgangs-Schaumwein nutzt nur Wein eines Jahres und zeigt dessen Wetter; ein Schaumwein ohne Jahrgang mischt auch ältere Weine, um jedes Jahr denselben Hausstil zu treffen. Argyle bietet einen Vintage Brut an, zum Beispiel aus 2009, 2011, 2014 und 2020, und Soter nennt auf seinem Rosé den Jahrgang.
Im Tal schwanken die Jahre. Ein kühler Sommer bringt straffe Säure und zarte Frucht, ein warmer mehr Fülle; die Kunst der Cuvée besteht darin, beides so zu mischen, dass die Flasche auch nach Jahren auf der Hefe noch Spannung hat.
Wer nur Chardonnay verarbeitet, bekommt einen Blanc de Blancs, weiß aus Weißem. Wer nur rote Trauben hell presst, kommt zum Blanc de Noirs. Zwischen diesen beiden Polen liegen die meisten Weine des Tals, die beide Sorten verbinden.