
Blanco ohne Regel
Reifung
Das erste, was aus Bowen in den Handel kam, war unvermischt und ungereift. Der First Harvest Blanco ist klar wie Wasser, direkt aus der Brennblase in die Flasche. Kein Fass, keine Wartezeit, kein Reifegrad. Nur die Agave selbst.
Für Tequila schreibt die mexikanische Norm genau vor, wie ein Reposado, ein Añejo oder ein Extra Añejo entstehen darf. Mindestens zwei Monate, ein Jahr oder drei Jahre im Eichenfass sind vorgeschrieben, dazu eine Obergrenze für die Fassgröße. Nichts davon gilt für einen australischen Agave Spirit.
Würde Top Shelf International eines Tages eine im Fass gereifte Variante herausbringen, dürfte das Unternehmen sie nach jeder beliebigen Wartezeit Reposado oder Añejo nennen. Die mexikanischen Mindestfristen müsste es dabei nicht einhalten, weil australisches Recht diese Begriffe nicht schützt. Diese Freiheit ist zugleich eine Einschränkung. Wer sich nicht an Mexikos Regeln hält, kann sich auch nicht auf Mexikos Prestige berufen.
Bislang bleibt es beim unverfälschten Blanco. Verkauft wird er mit dem Hinweis, dass er der erste seiner Art aus australischer Agave ist. Auf dem Etikett muss deshalb vor allem eines stehen: Agave Spirit, nicht Tequila. Das gilt ganz gleich, wie sehr sich Verfahren und Rohstoff ähneln.
Auch Begriffe wie Joven oder Madurado en Vidrio, in Glas gereift, sind in Mexiko genau geregelt. In Australien könnte ein Hersteller sie ebenso frei verwenden oder ganz eigene Namen erfinden. Ob Top Shelf International diesen Weg geht, ist offen. Fest steht bislang nur der klare, ungereifte Blanco im Regal.