Region & Geschichte in der Region Ecuadors Anden

Geschützter Agavensaft

Region & Geschichte

Lange bevor jemand in Ecuador an Alkohol dachte, kannten die Menschen im Andenkorridor rund um Quito den süßen Saft der Agave. Sie nannten ihn Tzawarmishky, aus dem Kichwa für Agave (Tzawar) und süß (Mishki). Getrunken wurde er frisch oder leicht vergoren, als Süßungsmittel und als Grundnahrungsmittel zugleich.

Erst um 1970 begannen einzelne Familien, diesen Saft zu brennen statt nur zu vergären. Aus einem Getränk der Küche wurde langsam eine Spirituose, gebrannt in kleinen Mengen, meist für den eigenen Gebrauch. Erst ab den 2010er-Jahren fanden erste Brennereien wie Casa Agave und Chawar den Weg in den Verkauf. Aus einer Nischentradition wurde ein Handelsgut.

Getragen wurde dieser Schritt von Anagavec, dem nationalen Verband der Wertschöpfungsketten von Penco und Kabuja, der Agavenfaser. Der Verband zählt heute über 140 Mitglieder, kleinbäuerlich, indigen und mestizisch, verteilt über den ganzen Andenkorridor. Gemeinsam mit dem Amt für geistiges Eigentum SENADI erwirkte er die Herkunftsbezeichnung für Miske, die das Amt im März 2023 erklärte. Es ist die siebte Herkunftsbezeichnung, die Ecuador je vergeben hat, und bis heute die einzige für ein alkoholisches Getränk.

Der Schutz legt fest, was jede Flasche mit diesem Namen erfüllen muss. Der Zucker muss zu 100 Prozent aus reifem Tzawar stammen, nichts darf gestreckt werden. Genau das trennt Miske von Tequila und Mezcal, im Verfahren wie im Namen. Wer die Piña, das Herz der Agave, im Ofen oder Autoklav gart, brennt Tequila oder Mezcal. Wer stattdessen den rohen Saft aus der lebenden Pflanze zapft, vergärt und brennt, hat Miske. Sein Getränk darf keinen anderen Namen tragen.

Groß ist die Produktion bis heute nicht. Die meisten Betriebe sind Familienunternehmen. Manche liefern den Saft noch täglich in Eimern an, andere haben inzwischen eigene Agavenfelder angelegt. Für die Kichwa-Gemeinden der Sierra bedeutet der Schutz mehr als ein Gütesiegel. Er erkennt eine jahrhundertealte Praxis rechtlich an, die lange nur als Folklore galt.

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