
Verbot und Schutz
Region & Geschichte
Lange bevor die ersten Spanier die Sierra Madre Occidental erreichten, vergoren die Rarámuri im Norden Mexikos den Saft der Wüstenpflanze Dasylirion zu einem leichten, bierähnlichen Getränk. Sie nannten es Sereque. Es war kein Tequila und kein Mezcal, sondern ein eigenes Getränk der Chihuahua-Wüste, Jahrhunderte vor jeder Denominación de Origen.
Die Destillation kam erst im 16. Jahrhundert ins Land, gebracht von philippinischen Seeleuten, die mit den Manila-Galeonen an der mexikanischen Westküste ankamen. Aus dem gegorenen Sereque wurde so ein gebranntes Getränk. Die spanische Kolonialmacht sah darin schnell Konkurrenz zu Wein und Branntwein und drängte die indigene Braukunst in den Untergrund.
Jahrhundertelang blieb Sotol deshalb ein Getränk der Sierra, gebrannt in kleinen Kesseln, fernab der Städte und weit weg von jeder Kontrolle. Rancheros und Rarámuri brannten für den Eigenbedarf und den Nachbarn nebenan, nicht für den Export. Anerkennung gab es dafür lange nicht, nur den Ruf eines groben Bauernschnapses.
Das änderte sich erst 2002: Mexiko erklärte Sotol zur geschützten Herkunftsbezeichnung, festgeschrieben in der NOM-159-SCFI-2004. Seither darf der Name nur noch für Brände aus Dasylirion aus Chihuahua, Coahuila und Durango stehen. Das Kerngebiet bleibt die Chihuahua-Wüste mit allen 67 Gemeinden des Bundesstaats, doch auch ganz Coahuila mit 38 und Durango mit 39 Gemeinden gehören offiziell zur Schutzzone.
Heute stehen alte Familienbetriebe wie Sotol Por Siempre, deren Rezept seit sechs Generationen weitergegeben wird, neben größeren Namen wie Hacienda de Chihuahua aus Delicias. Genossenschaften wie Clande bündeln Rezepte aus verschiedenen Orten des Bundesstaats. Sotol darf sich damit endlich Sotol nennen, nicht länger Mezcal und nie Tequila.