
Vinatas & Schutz
Region & Geschichte
1562 gründeten spanische Missionare Nombre de Dios, heute der wichtigste Mezcal-Ort im Bundesstaat Durango und einer der ältesten Orte Nordmexikos. Schon lange vor den Missionaren nutzten die Menschen hier die wilde Agave als Nahrung und Faser. Mit der Kolonialzeit kam die Destillation dazu, und aus dem gekochten Agavenherz wurde ein gebranntes Getränk.
Im 19. Jahrhundert geriet der Agavenbrand ins Visier des Staates. Hohe Steuern und zeitweise Verbote trafen die Brenner in ganz Mexiko, Regierungstruppen kontrollierten die Produktion, und offizielle Stellen brandmarkten das Getränk als gefährlich und berauschend. In Durango überlebte die Herstellung trotzdem, vor allem in kleinen, familiengeführten Betrieben abseits der großen Städte.
Während der Porfiriato-Zeit blühte der Mezcal-Handel vor allem in den Nachbarstaaten San Luis Potosí, Zacatecas und Guanajuato, wo große Haciendas produzierten. Durango blieb bescheidener: Hier heißt eine Mezcal-Destillerie bis heute vinata, nicht Palenque wie in Oaxaca, und die meisten Betriebe waren und sind kleine Familienbetriebe statt Großgüter.
1994 nahm die mexikanische Regierung Durango neben Oaxaca, Guerrero, San Luis Potosí und Zacatecas in die erste Denominación de Origen für Mezcal auf. Seither darf sich nur „Mezcal" nennen, was aus hundert Prozent Agavenzucker in einem der geschützten Gebiete gebrannt wird, ganz gleich, welche andere Agavenspirituose nebenan entsteht.
Durango hat dabei eine Besonderheit, die kein Nachbarstaat teilt: Der Bundesstaat liegt zugleich vollständig im Schutzgebiet für Sotol, benannt nach der Wüstenpflanze Dasylirion. Sie ist mit der Agave verwandt, beide gehören zu den Spargelgewächsen, botanisch aber einer anderen Unterfamilie zugeordnet und selbst keine Agave. Sotol wird seit 2002 in ganz Chihuahua, Coahuila und Durango geschützt, nach der Norm NOM-159-SCFI-2004, gekocht und gebrannt nach eigenen Regeln. Zwei geschützte Namen liegen hier also nebeneinander: Wer die Agave Cenizo in der vinata brennt, macht Mezcal. Wer stattdessen Dasylirion verarbeitet, macht Sotol. Vermischt werden dürfen die Namen nie.
Heute konzentriert sich die Mezcal-Produktion Durangos auf die Gemeinden Durango, Nombre de Dios, Súchil und Mezquital. Allein um Nombre de Dios zählt die Szene etwa fünfundzwanzig kleine Produzenten, meist ohne eigene Marke, aber mit jahrzehntelanger Familientradition.