Region & Geschichte in der Region Guerrero

Gemeinschaft statt Hacienda

Region & Geschichte

In Chilapa de Álvarez riecht der Donnerstag nach zwei Dingen. Nach grünem Pozole aus den Innenhöfen, nach Holzrauch aus den Palenques am Ortsrand, wo Mezcal aus wilder Agave entsteht. Seit dem 28. November 1994 gehört Guerrero, zusammen mit Oaxaca, Durango, San Luis Potosí und Zacatecas, zu den ersten fünf Bundesstaaten mit einer Denominación de Origen für Mezcal.

Das bedeutet Folgendes. Nur wer in den festgelegten Gemeinden Guerreros aus reifer Agave brennt, ohne fremden Zucker zuzusetzen, darf „Mezcal“ auf die Flasche schreiben. Tequila bleibt einer einzigen Agave und einem anderen Gebiet vorbehalten, weit im Norden in Jalisco. Wer in Guerrero „Tequila“ auf ein Etikett druckt, verstößt gegen den Herkunftsschutz, ganz gleich, wie gut der Mezcal schmeckt.

Große Hazienden, wie sie die Tequila-Geschichte prägen, sucht man in Guerrero vergebens. Mezcal entsteht in über 80 Ortschaften in 18 Gemeinden der Regionen Centro, Norte, Costa Grande und Tierra Caliente. Dazu zählen Mazatlán bei Chilpancingo (nicht zu verwechseln mit der Hafenstadt gleichen Namens in Sinaloa) und das Bergland um Chichihualco im Municipio Leonardo Bravo. Schon 2008 verarbeiteten Guerreros Palenques rund 252,5 Tonnen Agave auf gerade einmal 67 Hektar Anbaufläche.

Ein Beispiel für dieses gemeinschaftliche Arbeiten ist Sanzekan Tinemi, ein Zusammenschluss von Mezcalmeistern aus Chilapa de Álvarez, Zitlala, Ahuacuotzingo und Tixtla, gegründet vor rund drei Jahrzehnten. Sie roden den Wald nicht für neue Agavenfelder, sondern forsten auf und schützen die Quellen, aus denen sie Wasser und Brennholz beziehen. 2022 begann die Landesregierung, gezielt 21 Mezcal-Marken aus solchen Betrieben zu zertifizieren und zu fördern.

Leicht war der Weg dorthin nicht. Gewalt in Teilen der Sierra hat einzelnen Palenques in den vergangenen Jahren die Arbeit erschwert. Trotzdem zählt Guerrero heute zu Mexikos wichtigsten Mezcal-Bundesstaaten, gleich hinter Oaxaca.

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