
Haciendas & Schutz
Region & Geschichte
Wer heute durch Arandas fährt, sieht vor allem Agavenfelder und Milchviehweiden. Beides prägt diese Ecke Jaliscos schon seit Langem. Die Stadt selbst geht auf vier Familien zurück, die sich auf Land der Hacienda Santa Ana Apacueco niederließen. Es waren die Familien Aranda, Camarena, Hernández Gamiño und Hernández Rull. Das Land gehörte einst dem Marqués von Altamira. Aus den großen Kolonial-Haciendas wurden über die Jahrhunderte kleinere Ranchos, viele davon bis heute in Familienhand.
Genau diese Rancho-Struktur unterscheidet Los Altos vom tieferen Tal um die Stadt Tequila. Dort bestimmten größere Güter das Bild. Wer hier eine Brennerei aufbaute, tat es oft nebenbei, zwischen Rinderzucht und Agavenanbau. Die Familie Camarena brannte schon Anfang des 19. Jahrhunderts Agavenschnaps. Während der Mexikanischen Revolution verlor sie ihre Brennerei, die zerstört und aufgegeben wurde.
Don Felipe Camarena Hernández war ein Enkel jener Generation und verkaufte zunächst nur Agaven an fremde Brennereien. Am 7. Juli 1937 gründete er in der Nähe von Arandas seine eigene Destillerie: La Alteña. Ab 1940 verkaufte er unter dem Namen „Tequila Tapatío“ reinen Agaventequila. Später kam die Marke El Tesoro dazu. Sein Enkel Carlos Camarena führt die Brennerei heute nach ähnlichen Verfahren weiter.
1974 erklärte Mexiko Tequila offiziell zur geschützten Herkunftsbezeichnung. 181 Gemeinden durften den Namen fortan tragen, darunter Arandas, Atotonilco el Alto, Jesús María und Tepatitlán. Nur wer in diesem Gebiet aus der blauen Weber-Agave brennt, darf Tequila nennen. Der Schutz bedeutet hier vor allem eines: Das gilt für den Familienbetrieb genauso wie für den Weltkonzern.
Das zeigt sich in Atotonilco el Alto besonders deutlich. Dort gründete Julio González 1942 mit siebzehn Jahren seine Destillerie La Primavera, aus der später die Marke Don Julio wurde. Und dort baute die 1989 gegründete Marke Patrón ab 2002 eine eigene neue Anlage: die Hacienda Patrón. Zuvor war bei den Nachbarn von Siete Leguas gebrannt worden. Alteingesessene Familienbetriebe und internationale Marken liegen in Los Altos oft nur wenige Kilometer auseinander.