Region & Geschichte in der Region Sierra & Costa de Jalisco

Steuer, Schmuggel, Schutz

Region & Geschichte

Lange bevor jemand in diesen Bergen das Wort Tequila kannte, kochte man hier Agavenherzen für Pulque, den milden, vergorenen Saft der Pflanze. Sierra und Küste zwischen Mascota, Talpa de Allende und Cabo Corrientes waren schon vor der spanischen Eroberung Agavenland. Mit den Spaniern kam die Destillation, und aus gekochter Agave wurde ein gebrannter Schnaps.

Die Krone in Madrid sah in jedem freien Brenner eine Bedrohung für die eigene Steuer und verbot das private Agavenbrennen immer wieder. In der Sierra und an der Küste ließ sich das kaum durchsetzen, also brannte man versteckt, in Erdgruben und hinter Felsen. Aus dieser Zeit stammt der Name: „Raicilla“, kleine Wurzel. Eine Überlieferung erzählt, man habe ihn so getauft, um der Mezcal-Steuer zu entgehen. Belegt ist das nicht, nur weitererzählt.

Wer im 19. Jahrhundert viel brannte, gehörte meist zu einer Hacienda-Familie. Mascota trägt bis heute die Fassaden jener Zeit, schmale Kolonialhäuser mit dicken Mauern. Die Brennereien blieben trotzdem klein, oft nur ein Kupferkessel hinter dem Haus.

Erst 1997 gründete sich der Consejo Mexicano Promotor de la Raicilla, die erste Organisation dafür. Am 28. Juni 2019 erklärte Mexiko die Denominación de Origen Raicilla. Siebzehn Gemeinden dürfen den Namen seither tragen, sechzehn davon in Jalisco, darunter Mascota, San Sebastián del Oeste, Talpa de Allende, Atenguillo, Cabo Corrientes, Puerto Vallarta und Tomatlán. Als einzige Ausnahme kommt Bahía de Banderas im Nachbarstaat Nayarit hinzu.

Das wirkt auf den ersten Blick seltsam, denn das Tequila-Gebiet umfasst Jalisco, jede dieser Gemeinden eingeschlossen. Wer hier Blaue Weber-Agave anbaute und nach der Tequila-Norm arbeitete, dürfte sein Destillat tatsächlich Tequila nennen. Nur wächst hier kaum eine Blaue Agave. Die Sierra trägt Agave maximiliana und Agave inaequidens, die Küste Agave angustifolia und Agave rhodacantha. Mezcal scheidet aus einem anderen Grund aus: Jalisco gehört schlicht nicht zu den Bundesstaaten der Mezcal-Norm. Den Brennern blieb also nur der eigene Name, seit 2019 geschützt: Raicilla, aus genau diesen Agavenarten, die Blaue Weber-Agave ausdrücklich ausgeschlossen.

Der Schutz gilt heute vor allem den kleinen Familienbrennereien, die ihren Raicilla jetzt legal und mit Herkunftsangabe verkaufen dürfen.

Bilder mit KI erstellt · Texte KI-gestützt, redaktionell geprüft

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