
Palenques & Herkunft
Region & Geschichte
Wer von Oaxaca-Stadt nach Süden fährt, verlässt nach einer Stunde die Talebene. Die Sierra Sur beginnt dort, wo die Straße nach Miahuatlán de Porfirio Díaz steil wird. Sie endet erst am Pazifik. Der Name Miahuatlán stammt aus dem Nahuatl und bedeutet „Ort der Maiskolben". Schon das aztekische Reich forderte hier Tribut, lange bevor die Spanier kamen. Die Dörfer selbst blieben zapotekisch geprägt, mit eigener Sprache und eigenen Bräuchen.
1866 schlug Porfirio Díaz bei Miahuatlán die französischen Interventionstruppen zurück. Diese Schlacht gab der Stadt später ihren zweiten Namen. Erst 1948 wurde der Doppelname per Dekret amtlich, zu Ehren des späteren Präsidenten. Die umliegenden Dörfer, San Luis Amatlán, Sola de Vega, Candelaria Yegolé, lebten damals von Mais, Vieh und dem Brennen von Agavensaft. Von den Haciendas der Talebene waren sie weit entfernt.
In Familien wie der von Aquilino García López reicht die Erinnerung an eigene Brennblasen fünf Generationen zurück. Sie beginnt in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die heutige Anlage in Candelaria Yegolé, einem Flussdorf hoch in den Bergen, richtete Don Aquilino erst Anfang der 2000er-Jahre neu ein. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen Mezcal aus der Sierra Sur kaum über die nächste Marktgemeinde hinauskam.
Oaxaca gehört zu den fünf Bundesstaaten, die 1994 die Herkunftsbezeichnung Mezcal begründeten. Heute regeln das die Norm NOM-070-SCFI-2016 und der Consejo Regulador del Mezcal. Für die Sierra Sur bedeutet das: Alles, was hier aus Agave gebrannt wird, muss zu 100 Prozent aus Agavenzucker stammen. Ein Mixto wie beim Tequila ist ausgeschlossen. Trotzdem verkaufen viele kleine Palenques rund um Miahuatlán und Sola de Vega bis heute informell, Flasche für Flasche. Ein Zertifikat steht dabei selten auf dem Etikett.
Bekannt wurde die Region durch zwei Namen aus Candelaria Yegolé: Mezcal Vago und Rey Campero. Beide zeigten, was aus den seltenen Wildagaven der Gegend werden kann. Dahinter liegt aber ein viel größeres Netz aus winzigen Familienbetrieben. Sie geben ihr Wissen von Generation zu Generation weiter und machen die Sierra Sur zu einem der agavenreichsten Flecken Oaxacas.