
Riesin auf Kalkkruste
Agave & Boden
Wer durch die Karoo fährt, sieht sie oft zuerst als graugrüne Hecke am Straßenrand, Agave americana, im Volksmund Century Plant oder schlicht Karoo-Agave genannt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Mexiko, in der Karoo wuchs sie über anderthalb Jahrhunderte so selbstverständlich, dass viele sie längst für heimisch halten.
Rocco Torro aus Graaff-Reinet wirbt damit, dass die Karoo-Exemplare bis zu fünfmal größer werden als die blaue Weber-Agave aus Jalisco. Der Stress der Halbwüste zwinge die Pflanze zu diesem besonders kräftigen Wachstum. Das ist eine Angabe der Brennerei selbst, keine unabhängig gemessene Zahl. Auch Sango setzt neben Agave americana auf die verwandte Art Agave salmiana.
Wild verbreitet sich die Agave bis heute an alten Zäunen und Weiderändern, angebaut wird sie für die Brennereien auf eigenen Feldern. Reif ist eine Pflanze frühestens nach zehn, oft erst nach zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren, je nach Boden und Regen. So lange braucht sie, um in ihrem Herzen, der Piña, genug Zucker einzulagern.
Geerntet wird von Hand: Ein erfahrener Farmer erkennt am Blattstand, wann eine Pflanze reif ist, und schneidet die äußeren Blätter ab, bis nur noch das Herz übrig bleibt. Eine einzelne Piña wiegt zwischen 35 und 90 Kilogramm. Für jede geerntete Pflanze setzt Leonista nach eigener Aussage drei neue, damit die Bestände nicht schrumpfen.
Unter den Agavenfeldern liegt typischer Karoo-Boden, eine steinige, rötlich-braune Kruste über lehmigem Untergrund, darunter oft eine harte Kalkschicht und Reste von verwittertem Dolerit, dem dunklen Vulkangestein, das die Karoo-Landschaft in flache Kuppen gliedert. Die Agave wurzelt flach, aber weit, um jeden seltenen Regenschauer sofort aufzufangen.
Verwitterter, kiesiger Oberboden mit rotbrauner Färbung, durchsetzt von Karoo-Buschwerk.
Die Wurzel: Hier breiten sich die flachen Wurzeln der Agave aus, um Regen sofort aufzunehmen.