
Nur der Name
„Mezcal macht high“
Meskalin klingt wie Mezcal, und viele glauben deshalb, das Getränk wirke wie Peyote. Botanisch haben beide nichts miteinander zu tun. Diese Station erklärt, woher die Verwechslung kommt und was in einem Glas Mezcal tatsächlich wirkt.
Woher kommt die Verwechslung mit Meskalin?
Zwei Wörter, die sich ähnlich anhören, reichen oft für einen Mythos. Meskalin ist ein Alkaloid aus dem Peyote-Kaktus, Lophophora williamsii, der vor allem in den Wüsten Nordmexikos und im Süden der USA wächst und seit Jahrhunderten von indigenen Völkern wie den Huichol in religiösen Zeremonien verwendet wird. Weil beide Namen ähnlich klingen und beide mit mexikanischer Trink- und Ritualkultur assoziiert werden, hält sich die Verwechslung hartnäckig, verstärkt durch Filme und Musik, die Mezcal und Meskalin gern in einen Topf werfen.
Auch die Wortherkunft trägt zur Verwirrung bei. Mezcal geht auf das Nahuatl-Wort mexcalli zurück, das gekochte Agave bezeichnet. Meskalin wurde sprachlich ebenfalls davon abgeleitet, weil frühe Forscher die getrockneten Peyote-Buttons fälschlich für eine Art Agavenprodukt hielten. Beide Begriffe teilen sich also tatsächlich eine sprachliche Wurzel, aber keine botanische Substanz, ein Detail, das den Mythos zusätzlich nährt.
Was für eine Pflanze ist die Agave wirklich?
Die Verwirrung löst sich schnell auf, wenn man die Pflanzenfamilien vergleicht. Agaven, aus denen Mezcal und Tequila entstehen, zählen zu den Spargelgewächsen und enthalten keine halluzinogenen Alkaloide. Der Rausch, den ein Glas Mezcal auslöst, ist ausschließlich Ethanol, derselbe Wirkstoff wie in Bier, Wein oder Whisky. Peyote dagegen ist ein kleiner, kugeliger Kaktus, botanisch in keiner Weise mit der Agave verwandt, auch wenn beide Pflanzen in ähnlich trockenen Landstrichen wachsen.
Geografisch überschneiden sich die beiden Arten kaum. Peyote wächst überwiegend auf kargen Kalksteinböden Nordmexikos und Süd-Texas, oft in Lagen, die für großflächigen Agavenanbau ungeeignet sind. Agaven für Mezcal und Tequila stehen dagegen meist auf den fruchtbareren Hochebenen Zentral- und Südmexikos. Ein Feld mit Blauer Weber-Agave und ein Bestand wildwachsender Peyote-Kakteen liegen in der Praxis fast nie nebeneinander.
Was bewirkt Meskalin tatsächlich, und wer nutzt es?
Meskalin ist ein halluzinogenes Alkaloid, das ausschließlich in bestimmten Kakteen vorkommt, allen voran Peyote. Mehrere indigene Völker Mexikos und der amerikanischen Südweststaaten verwenden Peyote seit Jahrhunderten in religiösen Zeremonien, weit entfernt vom Brennen und Trinken von Agavenspirituosen. Mit Mezcal oder Tequila hat dieser Gebrauch keine Verbindung, weder botanisch noch kulturell, außer dass beide Bräuche aus Mexiko stammen und beide mit indigenem Wissen verknüpft sind.
Besitz und Konsum von Peyote sind in den meisten Ländern streng reguliert, in den USA etwa nur für anerkannte religiöse Praktiken bestimmter indigener Gemeinschaften ausdrücklich erlaubt. Mezcal dagegen ist eine ganz gewöhnliche, legal verkaufte Spirituose wie Tequila oder Whisky, ohne besondere rechtliche Einschränkungen über das übliche Alkoholrecht hinaus. Schon dieser rechtliche Unterschied zeigt, wie weit die beiden Substanzen inhaltlich auseinanderliegen.
Warum hält sich der Mythos trotzdem?
Ein Grund liegt in der reinen Wortähnlichkeit: Wer Mezcal hört und Meskalin kennt, verbindet beides instinktiv, obwohl kein inhaltlicher Zusammenhang besteht. Ein zweiter Grund ist das Image von Mezcal als besonders wildes, ursprüngliches Getränk, oft mit Rauch, Erdgruben und ländlicher Handwerkskunst beworben. Dieses Bild lädt dazu ein, dem Getränk zusätzliche, geheimnisvolle Wirkungen anzudichten, die es nachweislich nicht hat.
Verstärkt wird der Irrtum durch Reiseberichte, die Mezcal-Verkostungen in abgelegenen Dörfern mit schamanischen Ritualen vermischen, obwohl beides in der Praxis selten zusammenfällt. Wer diese Bilder ernst nimmt, überträgt die Aura des Rituals leicht auf die Wirkung des Getränks selbst. Am Ende bleibt trotzdem nur ein hochprozentiges, aber gewöhnliches Destillat übrig, ohne zusätzliche psychoaktive Wirkung.