Agave Spirit um die Welt

Agave Spirit weltweit

Agave Spirit um die Welt

Agaven wachsen längst nicht mehr nur in Mexiko. In Kalifornien, Südafrika, Australien, Peru und Indien entstehen eigene Agavenbrände, aber keiner von ihnen darf sich Tequila oder Mezcal nennen, ganz gleich wie ähnlich das Verfahren ist.

Warum der Name draußen bleibt

Der Herkunftsschutz für Tequila wirkt über das Lissabonner Abkommen weit über Mexiko hinaus. Fast überall auf der Welt gilt: Nur Spirituosen aus dem mexikanischen Schutzgebiet dürfen so heißen. Hersteller anderswo müssen deshalb auf einen anderen Namen ausweichen. Das gilt selbst dann, wenn sie dieselbe Agavenart anbauen und ganz ähnlich destillieren. International hat sich dafür der Sammelbegriff „Agave Spirit" durchgesetzt.

Eine gemeinsame Norm wie NOM-006 oder NOM-070 gibt es für „Agave Spirit" nicht. Jeder Hersteller legt sein eigenes Verfahren selbst fest. Der Begriff wirkt deshalb eher wie eine ehrliche Selbstbezeichnung. Er sagt offen: Das hier ist kein Tequila und kein Mezcal, sondern ein eigenständiger Agavenbrand.

Kalifornien, Südafrika und Australien

In Kalifornien baut die Brennerei Ventura Spirits eigene Agave tequilana an. Ihre Felder liegen im Glen Annie Canyon bei Goleta. Aus der Ernte entsteht ein Agave Spirit namens „Tecolote". In Südafrika nutzen mehrere Marken wie Leonista oder La Tierra Agave die robusten Agaven der Karoo-Halbwüste. Deren trockenes Klima ähnelt dem mexikanischen Hochland erstaunlich stark.

In Australien lässt die Marke „Act of Treason" in Queensland angebaute Agaven verarbeiten. Gebrannt wird in klassischen Kupferbrennblasen. Alle drei Beispiele zeigen dasselbe Muster: Die Pflanze wächst inzwischen auf mehreren Kontinenten. Nur der geschützte Name bleibt an Mexiko gebunden. Käufer erkennen solche Agave Spirits oft am Preis. Kleine Erntemengen treiben die Kosten deutlich über die vieler Massenmarken-Tequilas.

Peru und Indien: zwei junge Projekte

In Peru entwickelte der Unternehmer Marco Suárez ab 2016 die Marke „Aqará". Sein Betrieb liegt in der Andenstadt Caraz, auf über zweitausend Metern Höhe. Statt der mexikanischen Erdgrube nutzt er Edelstahlbehälter zum Dampfrösten der Agaven. In Indien brachte Desmond Nazareth 2011 mit „DesmondJi" den ersten indischen Agavenbrand auf den Markt.

DesmondJi entsteht aus halbwild wachsenden Agaven auf dem Dekkan-Hochland. Abgefüllt wird im Bundesstaat Goa, produziert in einer kleinen Brennerei im benachbarten Andhra Pradesh. Peru und Indien zeigen, wie weit sich die Idee des Agavenbrands von ihrem mexikanischen Ursprung entfernt hat. Trotzdem versucht keines der beiden Projekte, sich „Tequila" zu nennen. Beide Brennereien sind noch jung. Ihre Mengen bleiben bislang klein im Vergleich zum globalen Tequila-Markt.

Warum Brenner freiwillig einen anderen Weg gehen

Nicht jeder dieser Hersteller müsste überhaupt auf einen Ersatznamen ausweichen. Manche könnten theoretisch versuchen, eine Lizenz für den mexikanischen Namen zu erwerben oder ihre Ernte dorthin zu exportieren. Fast niemand tut das. Der Grund liegt oft im eigenen Anspruch: Diese Brennereien wollen kein Imitat mexikanischer Tradition herstellen, sondern etwas, das zu ihrem eigenen Klima, ihrer eigenen Agave und ihrer eigenen Handschrift passt.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Grund. Echter Tequila-Import ist in vielen Ländern durch Zölle und lange Lieferketten teuer. Ein lokal angebauter und gebrannter Agave Spirit spart diese Kosten. Gleichzeitig entsteht eine eigene, regionale Geschichte, die sich gut erzählen lässt. Auch das zählt für kleine Brennereien oft mehr als ein großer, aber fremder Markenname.

Gemeinsamkeit trotz fehlendem Schutz

So unterschiedlich diese Projekte auf vier Kontinenten sind, sie respektieren alle dieselbe Grenze. Keiner nennt sein Produkt Tequila oder Mezcal. Das liegt an der Rechtslage. Es liegt aber ebenso am Selbstverständnis der Hersteller, die ihren eigenen, lokalen Weg gehen wollen. Das zeigt: Herkunftsschutz wirkt auch dort, wo er rechtlich gar nicht durchsetzbar wäre.

Für Käufer bedeutet der Name „Agave Spirit" deshalb vor allem eines: Hier entsteht etwas Eigenes. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Mexiko. Angebaut und gebrannt wird sie inzwischen aber weltweit.

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