
CRT und NOM
Wer über den Namen wacht
Wer schützt eigentlich, dass auf der Flasche wirklich drinsteckt, was drauf steht? Der Consejo Regulador del Tequila prüft jede Charge nach der Norm NOM-006 und hinterlässt auf jedem Etikett eine Nummer, die sich leicht entschlüsseln lässt.
Der Consejo Regulador del Tequila
Seit 1994 überwacht der Consejo Regulador del Tequila, kurz CRT, die Einhaltung der Tequila-Regeln. Er kontrolliert Agavenfelder, Brennereien und Abfüllanlagen, zertifiziert jede Charge und kann Lizenzen auch wieder entziehen. Ohne CRT-Zertifikat darf ein Produkt aus dem Schutzgebiet nicht als Tequila verkauft werden. Für Hersteller bedeutet das eine dauerhafte Beziehung zur Aufsicht, keine einmalige Prüfung bei der Gründung.
Dabei stützt sich diese Aufsicht eng auf die Norm NOM-006-SCFI-2012, die Anbau, Pflanze, Kochverfahren, Destillation und Reifung bis ins Detail festlegt. Änderungen an dieser Norm verhandeln Behörden, Verband und Hersteller gemeinsam, meist über Jahre hinweg. Kleinere Brennereien empfinden diesen Prozess manchmal als schwerfällig, weil ihre Stimme neben großen Exportmarken leicht untergeht.
Was bedeutet die NOM-Nummer auf dem Etikett?
Auf jeder Tequila-Flasche steht eine vierstellige NOM-Nummer, meist klein gedruckt in der Nähe der Angaben zur Alkoholmenge. Diese Nummer identifiziert nicht die Marke, sondern die konkrete Brennerei, in der der Tequila hergestellt wurde. Zwei völlig unterschiedliche Markennamen können also dieselbe NOM-Nummer tragen. Die Ziffern selbst folgen dabei keiner erkennbaren Systematik nach Region oder Gründungsjahr, sie werden schlicht der Reihe nach vergeben.
Das kommt regelmäßig vor: Es gibt deutlich mehr Marken als Brennereien im Tequila-Gebiet, und etliche kleinere Marken lassen ihren Tequila bei größeren, etablierten Betrieben herstellen. Wer die NOM-Nummer zweier Flaschen vergleicht, findet so manchmal heraus, dass vermeintlich konkurrierende Etiketten aus derselben Anlage stammen. Manche Marken verschweigen das lieber, andere werben inzwischen offen damit, in welcher bekannten Brennerei sie abgefüllt werden.
Warum diese Transparenz wichtig ist
Wer online nach einer NOM-Nummer sucht, blickt für einen Moment hinter das Marketing einer Flasche. Meist findet man schnell heraus, welche Brennerei dahintersteht und was diese sonst noch herstellt. Das sagt zwar nichts über die Qualität eines einzelnen Tequilas, aber viel über seine Herkunft im engeren Sinn. Spezialisierte Internetforen und Datenbanken sammeln solche NOM-Nummern seit Jahren und machen sie für jeden frei zugänglich.
Gerade bei neuen, auffällig beworbenen Marken lohnt sich dieser Blick. Eine junge Marke mit aufwendiger Flasche kann trotzdem aus einer jahrzehntealten Traditionsbrennerei stammen, oder umgekehrt aus einem Betrieb, der praktisch jede beliebige Rezeptur gegen Bezahlung abfüllt.
Mezcal und sein eigenes Kontrollsystem
Mezcal hat mit dem Consejo Regulador del Mezcal, CRM, eine vergleichbare, aber eigenständige Aufsicht, die nach der NOM-070-SCFI-2016 arbeitet. Auch hier trägt jede Flasche eine eigene NOM-Nummer, die auf die jeweilige Produktionsstätte verweist. Die Systeme laufen parallel und unabhängig voneinander, obwohl beide Getränke aus derselben Pflanzenfamilie stammen. Käufer, die beide Nummern kennen, können so nachvollziehen, ob ein Tequila und ein Mezcal zufällig aus benachbarten Betrieben stammen.
Eine NOM-Nummer allein sagt allerdings nichts über die Kategorie Blanco, Reposado oder Añejo aus. Sie zeigt nur, wo etwas hergestellt wurde, nicht, wie lange es gereift ist oder wie es schmeckt.
Was bei einem Verstoß passiert
Findet der CRT bei einer Kontrolle Abweichungen von der Norm, kann er einer Brennerei die Zertifizierung entziehen oder einzelne Chargen sperren. Ohne gültiges Zertifikat darf eine Flasche das Wort „Tequila" nicht mehr tragen, selbst wenn sie im geschützten Gebiet und aus der richtigen Agave hergestellt wurde.
In der Praxis kam es in der Vergangenheit vor, dass unabhängige Labortests mehr Fremdzucker oder mehr Zusatzstoffe fanden, als eine Flasche vermuten ließ. Solche Fälle zeigen, dass die Aufsicht zwar besteht, aber nicht jede einzelne Flasche im Handel lückenlos überwacht werden kann. Genau deshalb bleibt die NOM-Nummer trotz aller Grenzen ein nützliches, wenn auch unvollständiges Werkzeug für aufmerksame Käufer.