Region & Geschichte in der Region Kalifornien

Farmer statt Hacienda

Region & Geschichte

An kalifornischen Missionen wächst Agave americana seit dem 18. Jahrhundert als Zierpflanze. Die spanischen Padres pflanzten die stachelige „Century Plant“ als lebenden Zaun um Gärten und Weiden, nie als Rohstoff für einen Brand. Über zweihundert Jahre blieb es dabei. Erst in den 2010er-Jahren kam jemand auf die Idee, aus ihr etwas zu brennen.

Diese Idee brachte ein Mann mit, der vorher nichts mit Landwirtschaft zu tun hatte. Craig Reynolds arbeitete dreißig Jahre als Stabschef für Abgeordnete im kalifornischen Parlament. Bei einem Freiwilligeneinsatz für die Organisation Project Amigo im mexikanischen Colima sah er zum ersten Mal Agavenfelder. Er brachte Ableger mit nach Yolo County, nördlich von Sacramento, und pflanzte seine ersten Reihen.

Eine zweite Quelle für die frühen Pflanzen lag im Süden: Auf dem Land von Mark Carlston in Riverside County wuchsen bereits Blaue Agaven, deren Ableger nach Norden wanderten. Auch die Brennerei St. George Spirits in Alameda holte sich 2015 Agaven aus Riverside County für ihren ersten Testbrand.

Aus einzelnen Versuchen wurde eine Bewegung. Im März 2022 gründeten Reynolds und andere den California Agave Council, einen Verband aus Anbauern und Brennern. Der Verband legte einen eigenen, freiwilligen Standard fest: Nur ein Brand aus hundert Prozent kalifornisch angebauter Agave darf sich „California Agave Spirits“ nennen. Mittlerweile zählt der Council mehr als achtzig Anbauer auf rund 700 Acres, umgerechnet gut 280 Hektar, und acht Brennereien.

Nichts davon darf Tequila oder Mezcal heißen, ganz gleich wie sorgfältig gebrannt wird. Die Vereinigten Staaten erkennen die mexikanischen Herkunftsschutz-Gebiete an, ähnlich wie es die EU seit einem Abkommen von 1997 tut. 2020 schuf die US-Aufsichtsbehörde TTB deshalb eine eigene Kategorie im Etikettenrecht: „Agave Spirits“, geregelt in 27 CFR 5.148. Dort, nicht bei Tequila oder Mezcal, ist der kalifornische Agavenbrand rechtlich zu Hause.

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