
Lehm & Eisenstein
Böden
Grab im Barossatal ein Loch. Du landest zunächst in hellem Sand, der sich zwischen den Fingern zerreiben lässt. Erst nach dreißig, vierzig Zentimetern wird es zäh: rotbrauner Lehm, gefärbt vom Eisen im Gestein darunter. Genau dieser Wechsel von locker zu fest gibt dem Tal seinen Charakter.
Die Winzervereinigung des Tals hat diesen Wechsel systematisch kartiert. Im Projekt Barossa Grounds gruben Bodenkundler über Jahre hinweg Schürfgruben quer durchs Tal. Sie teilten es in Zonen mit eigenem Bodenprofil: die Northern Grounds mit rot-gelbem Lehm über festem Ton, die Central Grounds mit sandigen Böden über schwarzem, rissigem Tonboden, und die Southern Grounds, in denen sich Sand- und Lehmböden abwechseln. Wer heute eine Flasche mit einer solchen Herkunftsangabe kauft, kennt damit schon den ungefähren Bodentyp im Glas.
Eine der ältesten und am genauesten dokumentierten Parzellen liegt im Ortsteil Moppa, am Rand des Kalimna-Weinguts von Penfolds. Block 42 heißt das Stück: knapp vier Hektar Cabernet Sauvignon, gepflanzt um 1888, bis heute ungepfropft auf den eigenen Wurzeln. Mehr als 130 Jahrgänge hat dieser eine Weinberg schon geliefert. Sein Boden wurde seit fast eineinhalb Jahrhunderten nicht umgegraben.
Wurzeln, die sich durch roten Lehm und Eisenstein zwängen müssen, entwickeln sich anders als solche im lockeren Sand daneben. Sie wachsen langsamer und tiefer. Die Rebe steckt einen Teil ihrer Energie in dieses Wurzelwerk statt in Blätter und Beerenmasse. Das Ergebnis sind kleinere Trauben mit einem höheren Verhältnis von Schale zu Saft. In der Schale liegen Farbe, Tannin und der größte Teil der Aromen. Deshalb schmeckt ein Wein von diesem Boden dichter als einer aus dem lockeren Sand nebenan.
Bewässert werden solche Weinberge kaum. Wo der Ton in der Tiefe Feuchtigkeit hält, kommt die Rebe auch durch trockene Sommer ohne zusätzliches Wasser. Genau diese Kargheit gilt im Barossatal als Gütesiegel. Ein Wein aus einer bewässerten Fläche im Talgrund schmeckt selten so konzentriert wie einer von einem alten, unbewässerten Weinberg auf schwerem Lehm.
Loser, heller Sandlehm, wie er in weiten Teilen der Central Grounds um Tanunda vorkommt. Regenwasser sickert schnell durch, im Hochsommer ist die Schicht binnen Tagen staubtrocken.
Die Wurzel: Hier liegen nur die Feinwurzeln der ersten Jahre. Eine alte Rebe hat diese Schicht längst durchwachsen und sucht Wasser weiter unten.