Klima in der Region Clare Valley

Höhe schlägt Hitze

Klima

Tagsüber brennt hier eine Sonne, die Riesling eigentlich verbieten müsste. Im Hochsommer klettert das Thermometer auf fünfunddreißig bis achtunddreißig Grad, ein Wert, bei dem anderswo die Säure in der Beere einfach verschwindet. Clare Valley liegt kontinental geprägt im Landesinneren, ohne kühlenden Meereswind — auf dem Papier ein Ort für satte, plumpe Weine.

Nachts kippt das Bild komplett. Die Temperatur fällt auf zwölf bis fünfzehn Grad, manchmal tiefer, und dieser Sprung von zwanzig Grad innerhalb weniger Stunden rettet die Säure. Die Rebe reift tagsüber, kühlt nachts ab, und die Aromastoffe verflüchtigen sich nicht in der Hitze. Ohne diesen nächtlichen Einbruch gäbe es hier keinen Riesling, der zwanzig Jahre im Keller übersteht.

Höhe macht dabei den Unterschied zwischen den Unterorten. Die Weinberge liegen im Schnitt zwischen vierhundert und fünfhundert Metern. Doch bei Mount Horrocks steigen einige Lagen auf über sechshundert. Jede zusätzliche Stufe kühlt die Nächte weiter ab und schiebt die Lese oft um Wochen nach hinten, und Watervale, tiefer gelegen, wird im Vergleich merklich früher gelesen als die Lagen um Polish Hill.

Regen fällt fast ausschließlich im Winter. Der Sommer bleibt meist trocken. Das klingt bequem, bedeutet aber auch: Ohne Tropfbewässerung würde die Rebe in manchen Jahren regelrecht verdursten. Nur die alten, tief wurzelnden Buschreben bei Wendouree kommen bis heute ganz ohne künstliche Bewässerung aus, und das lässt ihre Weine dichter und konzentrierter schmecken als die der meisten Nachbarn.

Für Riesling ist genau dieses Wechselspiel aus heißen Tagen und kalten Nächten der eigentliche Trick der Region. Nirgendwo sonst in Australien hält eine weiße Sorte ihre Säure so zuverlässig über Jahrzehnte. Deshalb reift ein zehn Jahre alter Riesling aus Clare Valley erst richtig auf. Dann zeigt er Noten von Honig, Toast und jenem berühmten Petrolton, den Kenner lieben und Anfänger meist verwirrt.

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