Böden in der Region Clare Valley

Terra Rossa, Schiefer

Böden

Grab in einem Weinberg bei Watervale ein Spatenstich tief. Du landest auf rotem, fast blutfarbenem Lehm. Das ist Terra Rossa, eisenreicher Ton, der sich über zerbrochenem Kalkstein gebildet hat. Der Kalk darunter speichert Wasser wie ein Schwamm. In trockenen Wochen gibt er es langsam wieder ab.

Diese Kombination erklärt, warum Watervale-Rieslinge oft schon jung zugänglich wirken. Der Kalkstein reflektiert Wärme nach oben in die Traube, der Ton hält genug Feuchtigkeit für eine gleichmäßige Reife, und beides zusammen ergibt Weine mit reifer Frucht, die selten hart oder grün schmecken. Fährt man von dort ein paar Kilometer nach Osten, ändert sich der Boden radikal.

Um Polish Hill liegt statt Kalkstein blaugrauer Schiefer, dünn geschichtet und arm an Nährstoffen. Die Wurzel muss sich zwischen die Platten zwängen und findet kaum Wasser. Sie treibt deshalb tief, mit dem Ergebnis kleiner, dickschaliger Beeren. Kleine Beeren bedeuten mehr Schale im Verhältnis zum Saft, und in der Schale sitzen Säure, Aromastoffe und ein strenger, fast salziger Grundton.

Genau dieser Unterschied zwischen zwei Böden, ein paar Kilometer auseinander, erklärt den halben Ruf des Tals. Ein Winzer, der beide Lagen bewirtschaftet, erntet im selben Jahr zwei Rieslinge, die kaum unterschiedlicher schmecken könnten, obwohl im Keller identisch gearbeitet wird, mit gleicher Hefe, gleichem Tank, gleicher Temperatur. Der Unterschied entsteht ausschließlich draußen, in der Erde.

Ein Irrtum hält sich hartnäckig: Der Boden schmecke im Glas mit, weil die Wurzel Mineralien aufnehme und weiterreiche. Das stimmt so nicht. Was ankommt, sind gelöste Salze in derart winzigen Mengen, dass keine Zunge sie erkennen könnte, denn der Boden wirkt über einen Umweg, über Wasser, Wärme und die Tiefe, in die er eine Wurzel zwingt. Bei Terra Rossa und Schiefer ist dieser Umweg besonders deutlich zu schmecken.

Grab dich durchSchicht antippen

Dunkler, sandiger Lehm mit organischem Material aus verrottetem Gras und Wurzelresten.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln und holen, was der spärliche Winterregen hinterlässt.

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