Rebsorten in der Region Coonawarra

Cabernet siegt spät

Rebsorten

In den ersten Jahrzehnten von Coonawarra dominierte gar nicht die Sorte, für die der Ort heute weltberühmt ist. Bis in die 1950er-Jahre hinein stand vor allem Shiraz in den Reihen, robust und ertragreich, gut geeignet für die einfachen Verschnittweine, die damals aus Coonawarra nach Adelaide und Sydney gingen. Erst danach kippte das Verhältnis. Cabernet Sauvignon breitete sich aus, weil Winzer merkten, dass genau diese Sorte mit dem roten Boden und dem kühlen Klima am meisten anfangen konnte. Beide Hauptsorten wachsen bis heute fast ausschließlich auf dem schmalen Landstreifen der Limestone Coast, kaum außerhalb davon.

Cabernet Sauvignon reift spät und mit dicker Schale. Genau in dieser Schale sitzt der größte Teil vom Tannin, dem pelzigen Stoff, der die Zunge nach einem Schluck trocken zurücklässt. In Coonawarra bleibt die Traube dank der kühlen Nächte lange an der Rebe hängen, ohne zu verbrennen. Genau das braucht sie, um Tannin und Farbe wirklich reif werden zu lassen. Grün und bitter schmeckt sie nur, wenn ihr diese Zeit fehlt.

Neben Cabernet Sauvignon steht bis heute Shiraz, mittelkräftig und würzig, mit einem Hauch von Himbeere statt der schwarzen Frucht des Cabernet. Winzer verschneiden beide Sorten seit Generationen zu einem Wein. Man nannte ihn in Australien lange schlicht Claret, nach dem englischen Wort für Bordeaux-Rotwein. Merlot kommt seltener solo ins Glas. Meistens rundet er als Verschnittpartner die Ecken von Cabernet Sauvignon ab, weil er weicher reift und früher süße Frucht liefert.

Weißwein bleibt in Coonawarra eher eine Randnotiz. Meist ist es Chardonnay von den kühleren Parzellen im Norden des Streifens. Für Reisende zählt trotzdem vor allem eines: zwei Rotweinsorten, die zusammen mehr über den Ort erzählen als jede Broschüre es könnte.

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