
Riddochs Obstkolonie
Region & Geschichte
John Riddoch grub 1890 einen Streifen roter Erde bei Penola in kleine Parzellen um. Er war als Sohn eines schottischen Pächters nach Australien gekommen, hatte sein Vermögen als Ladenbesitzer auf den Goldfeldern von Ballarat gemacht und sich danach das Weideland Yallum Estate gekauft. Auf seinem neuen Grund, der Coonawarra Fruit Colony, sollten kleine Pächter Obst und Wein anbauen und davon leben können. Vier Hektar bekam jede Familie.
Schon im ersten Jahr pflanzten sechsundzwanzig Siedler fünfundneunzigtausend Reben und zehntausend Obstbäume. Die Erde war so rot, dass man sie bald Terra Rossa nannte, italienisch für roten Boden, obwohl kaum jemand zu diesem Zeitpunkt ahnte, wie gut sie ausgerechnet für Wein taugte. Der Traum von der kleinen Farm hielt nicht lange. Die Bankenkrise von 1893 stürzte halb Australien in eine Depression, viele Pächter gaben ihre Parzellen auf, und übrig blieben vor allem die größeren Weingüter.
1895 füllte man in Coonawarra die erste eigene Ernte in Flaschen. Arthur Perkins, der staatliche Rebenexperte von Südaustralien, kam eigens vorbei. Er erkannte sofort, was hier zusammenkam: der rote Boden, das milde Klima nahe der Küste und die Reben, die Riddoch importiert hatte. Sein Urteil setzte sich durch. Bald stand fest, dass Coonawarra für Rotwein taugte wie kaum ein zweiter Flecken in Australien, allen voran für die Rebsorte, die heute weltberühmt ist: Cabernet Sauvignon.
Ein Jahrhundert später stritten Winzer um genau diesen roten Streifen, allerdings nicht mit dem Spaten, sondern vor Gericht. Als Australien in den Neunzigerjahren ein gesetzliches Herkunftssystem aufbaute, mussten Beamte erstmals festlegen, wo Coonawarra aufhört. Und wo nur noch gewöhnliches Ackerland beginnt. Winzer mit Reben mitten im Streifen wollten die Grenze eng ziehen. Winzer mit Reben am Rand wollten sie weiter fassen, und der Streit landete am Ende vor dem australischen Bundesgericht. Acht Jahre dauerte er. Erst im Januar 2003 stand die Grenze endgültig fest, kurz nachdem der Weinkonzern Beringer Blass gegen den Ausschluss seines Weinbergs Robertson's Well geklagt hatte. Der Streit zeigte, wie viel ein einziges Wort auf dem Etikett wert sein kann.