
Limette bis Petroleum
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Limette und grüner Apfel prägen den ersten Eindruck. Dazu kommt ein Hauch Jasminblüte in der Nase und eine Säure, die im Mund fast knackt — so schmeckt ein junger Riesling aus dem Eden Valley. Trocken ist er fast immer, Restzucker hat in diesem Stil keinen Platz. Wer zum ersten Mal einen probiert, ist oft überrascht, wie schlank und straff ein australischer Weißwein sein kann.
Mit den Jahren verändert sich der Wein grundlegend. Nach fünf bis zehn Jahren im Keller entwickelt sich aus den Zitrusaromen langsam ein Ton, den Kenner „Petrol“ nennen. Er erinnert tatsächlich an eine Tankstelle. Manche Trinker mögen genau diesen Moment am liebsten, andere bevorzugen den jungen, klaren Wein.
Shiraz aus dem Eden Valley riecht anders als der breitere, süßere Shiraz aus der wärmeren Barossa Valley nebenan. Dunkle Beeren und Pflaume bilden die Basis. Darüber liegt oft ein deutlicher Ton nach schwarzem Pfeffer, manchmal auch nach Lakritz oder getrockneten Kräutern. Dieser Pfeffergeruch stammt von einem Aromastoff namens Rotundon. Er wird in kühleren Lagen stärker gebildet als in heißen.
Im Mund ist das Tannin präsent, aber selten aggressiv: fest genug, um dem Wein Struktur zu geben, glatt genug, um ihn schon jung trinkbar zu machen, ohne dabei hart oder pelzig auf der Zunge zu wirken. Das ist der Unterschied, den die Höhe macht: Trauben, die langsamer reifen, bauen Tannin auf, das runder wirkt, statt einfach nur bitter zu schmecken.
Wer beide Weine der Region nebeneinander verkostet, merkt schnell, wie viel Spannweite in denselben Hügeln steckt. Der eine Wein lebt von Frische und Jahren im Keller. Der andere lebt von Kraft und einer Würze, die man woanders in Australien so konzentriert kaum findet.