
Semillon & Shiraz
Rebsorten
Eine einzige Sorte macht den Hunter unverwechselbar, und es ist nicht die, die man zuerst erwarten würde. Semillon ergibt anderswo blasse Verschnittpartner für Sauvignon Blanc, hier aber einen eigenständigen Wein, der bei kaum elf Prozent Alkohol geerntet wird, keine ausgereifte Traube, sondern eine Wette auf die Zukunft. Jung schmeckt er nach Zitrone und frisch geschnittenem Gras, fast wässrig, fast unfertig.
Genau das ist der Trick. Ohne ein einziges Fass Eiche verwandelt sich derselbe Wein nach zehn, fünfzehn Jahren in der Flasche. Er duftet dann nach Toast, Honig und Lanolin, als hätte er doch im Holz gelegen. Die hohe Säure der früh gelesenen Trauben ist der Motor dieser Reifung. Ohne sie bräche der Wein nach drei Jahren zusammen, statt zwanzig zu überstehen.
Der zweite Pfeiler ist Shiraz, direkt von Busbys Stecklingen abstammend. Er zeigt hier selten die dichte, süße Frucht wärmerer australischer Regionen. Stattdessen kommen Erde, Leder und ein Hauch Pfeffer dazu, mit mittlerem Körper und einer Frische, die man in South Australia kaum findet, ein Erbe des feuchteren, kühleren Klimas im Tal.
Chardonnay kam spät und explosionsartig. Auf dem Short-Flat-Weinberg von Tyrrell's pflanzte Murray Tyrrell 1968 die ersten Stöcke, und die daraus gekelterte Vat 47 wurde 1971 zum ersten kommerziellen Chardonnay Australiens überhaupt. Heute ist die Sorte aus dem Tal nicht wegzudenken, oft cremig ausgebaut, manchmal so schlank wie der Semillon daneben.
Als vierte Sorte hält sich Verdelho, ursprünglich von Madeira, hier zu einem kräftigen, trockenen Weißwein mit Tropenfruchtnote verarbeitet. Zusammen mit Semillon, Shiraz und Chardonnay stellt sie den größten Teil der Rebfläche. Vier Sorten für ein ganzes Tal, anderswo bräuchte man dafür ein Dutzend.