
Hitze, Regen, Frühlese
Klima
Der Hunter liegt näher am Äquator als jede andere bekannte australische Weinregion, und das Klima verhält sich entsprechend: subtropisch, feucht, im Sommer drückend heiß. Im Januar liegt die Durchschnittstemperatur bei 22,7 Grad, und genau in diesem Monat beginnt schon die Lese. Anderswo in Australien würde man zu dieser Zeit gerade erst die Blüte abwarten.
Das klingt widersinnig, ist aber Notwehr. Rund 750 Millimeter Regen fallen im Jahr, und der größte Teil davon kommt zwischen Januar und März, also genau dann, wenn die Trauben reif werden sollen. Manchmal schiebt sich ein tropisches Tiefdruckgebiet vom Norden heran und bringt binnen weniger Stunden mehr Regen, als ein Weinberg in dieser Phase verträgt. Wartet ein Winzer zu lange, faulen ihm Regengüsse und Gewitterfronten die Ernte am Stock weg.
Deshalb picken die Hunter-Winzer schon Mitte Januar die ersten Semillon-Trauben, früher als irgendwo sonst im Land. Wer zu diesem Zeitpunkt erntet, opfert Zucker und rettet Säure, ein Tausch, der später im Glas den Unterschied macht. Fachleute hielten das Klima lange für zu feucht, um überhaupt ernsthaften Tafelwein zuzulassen.
Ganz ohne Gnade ist das Klima trotzdem nicht. Nachmittägliche Wolken und eine Seebrise vom Pazifik dämpfen die Spitzenwerte. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt am Nachmittag im Mittel bei rund 49 Prozent, genug, um Traubenhitze abzumildern, aber nicht so viel, dass jedes Jahr im Pilzbefall endet. Ohne diese Abkühlung am Nachmittag wäre reifer, aromatischer Wein hier kaum möglich.
Zwischen den Teilgebieten gibt es trotzdem Unterschiede. Der Upper Hunter bekommt zur Erntezeit spürbar weniger Regen als das tiefer liegende Pokolbin, und seine Jahrgänge gelten deshalb als verlässlicher. Wer im Tal nach einem sicheren Jahrgang sucht, schaut zuerst dorthin.