
Tulpe statt Coupe
Gläser
Ein Glas kann viel zerstören. Sechs Jahre auf der Hefe sind schnell verschenkt, wenn in Pipers River, wo House of Arras seine Cuvées reifen lässt, am Ende trotzdem das falsche Glas auf dem Tisch steht. Manche Jahrgänge bleiben dort dreizehn Jahre. In dieser Zeit entstehen feine, langsam aufsteigende Bläschen, die eine breite Schale binnen Sekunden zerschlägt.
Eine Coupe verzeiht nichts. Deshalb steht zum tasmanischen Schaumwein eine hohe, schmale Tulpe, deren enge Öffnung die Kohlensäure zusammenhält, die sich in einer flachen Schale sonst binnen einer Minute vollständig verflüchtigt. Die Form bündelt den Duft. Röstnoten von Brioche und Hefe brauchen genau diese Enge, um nach Jahren im Keller überhaupt wahrnehmbar zu werden.
Pinot Noir braucht das Gegenteil. Beim Pinot Noir aus dem Tamar Valley oder von der Ostküste um Freycinet ist die Farbe hell, fast durchscheinend, aber der Duft nach roter Johannisbeere und Walderde bleibt zart und flüchtig, wenn das Glas zu wenig Fläche zum Verdunsten bietet. Ein bauchiges Glas hilft. So bleibt der Alkohol, meist ohnehin nur um die dreizehn Prozent, im Hintergrund und drängt sich nicht als Schärfe vor.
Riesling verlangt das Gegenteil. Eine schlanke Form hält den Wein kühl und führt die Säure geradlinig zum Gaumen, denn ein weites Glas würde ihn erwärmen und die Frucht schneller altern lassen, als einem an einem lauen Abend lieb sein kann. Zwei Weine, zwei Gläser. Wer beide am selben Abend probiert, braucht sie nebeneinander, nicht aus Angeberei, sondern weil sie sonst schlechter schmecken.