Region & Geschichte in der Region Tasmanien

Sträfling und Textilfabrikant

Region & Geschichte

Ein verurteilter Fälscher pflanzte den ersten Weinberg Tasmaniens. Bartholomew Broughton kam 1820 als Sträfling nach Hobart, an Bord eines Schiffs namens Dromedary, wegen Veruntreuung in London verurteilt. Später bekam er Land am Ufer des Derwent zugewiesen, das er Prospect nannte. Dort pflanzte er 1823 Reben, und schon 1827 bot er einen Wein an, den er selbst als Nachahmung von Champagner bewarb. Sechs Jahre danach war er tot, und mit ihm für Jahrzehnte auch der Weinbau an diesem Fluss.

Der Faden riss nicht ganz, aber er wurde sehr dünn. Erst 1956 knüpfte ihn ein Franzose namens Jean Miguet neu. Er war fünf Jahre zuvor als Schweißer für die Wasserkraftbehörde nach Tasmanien gekommen, kaufte nun ein Stück Land dreißig Kilometer nördlich von Launceston im Tamar Valley und pflanzte dort Pinot Noir, Chardonnay, Chasselas und Grenache. Er nannte den Hof La Provence. Zwei Jahre später zog der italienische Textilfabrikant Claudio Alcorso bei Hobart nach, auf einer Landzunge, auf der heute ein Museum steht.

Die Herkunft wurde erst 1994 zur Vorschrift. Am 26. Januar jenes Jahres wurde Tasmanien als eigene Geographical Indication eingetragen, eine amtlich geschützte Herkunftsbezeichnung, die heute im Register von Wine Australia geführt wird. Seither darf nur Wein, dessen Trauben auf der Insel wuchsen, diesen Namen tragen. Eine Region, ein Name, keine amtliche Unterteilung in Bezirke. Dabei sprechen Winzer im Alltag längst von Coal River Valley oder Pipers River, als wären das eigene Länder. Das Etikett kennt diese Namen nicht. Der Boden kennt sie sehr wohl.

Aus zwei Höfen wurde eine Industrie, wenn auch eine kleine. In den Siebzigerjahren kamen mit Andrew Pirie im Norden und dem Ehepaar Bull an der Ostküste weitere Winzer dazu. Sie verglichen Tasmanien erstmals mit Bordeaux und Burgund, weil Temperaturverlauf und Regenmenge dort tatsächlich näher an Frankreich lagen als an Südaustralien. Heute liefert die Insel einen winzigen Teil der australischen Weinernte und trotzdem einen auffällig großen Teil ihrer teuersten Flaschen. Klein bleibt sie bis heute.

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